| Alexandra Amanatidou |
| 12.10.2026 15:30 Uhr |
Die Impfstoffhersteller wünschen sich eine engere Zusammenarbeit der Akteure im Gesundheitswesen. / © Adobe Stock/RFBSIP
»Impfen beim Profi? Na klar! Aber warum nicht gemeinsam?«, schreibt Apothekerin Bormann und fragt sich, ob Apotheken nicht auch Profis sind. »Statt mich darüber zu ärgern, mache ich doch einfach meine eigene Kampagne«, so die Apothekerin. Mit zwei KI-generierten Bildern versucht sie, für mehr Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Arztpraxen zu werben. Unter den Überschriften »Mission Possible: Gemeinsam gegen die Grippe« und »Impfen: Das stärkt uns alle« sind eine Apothekerin und eine Ärztin zu sehen, die zum Impfen auffordern. »Denn eigentlich ist es doch völlig egal, ob sich jemand in der Arztpraxis oder in der Apotheke gegen Grippe impfen lässt. Hauptsache, er lässt sich impfen!«
Und sie ist nicht die Einzige. Auch Simon Bull vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) nutzt ein KI-generiertes Bild, um für mehr Zusammenarbeit zu werben. Zu sehen sind die Apothekerschaft und die Ärzteschaft, wie sie von einem Kuchen mit einer Impfspritze oben drauf essen. Nach dem Motto: »Der Kuchen ist groß genug für alle.« Damit spielt Bull auf ein Zitat des Arztes und CSU-Politikers Stephan Pilsinger von der Expopharm an. Der Profi müsse nicht zwingend hinter einer bestimmten Eingangstür sitzen, so Bull. »Gerade bei unseren weiterhin zu niedrigen Impfquoten sollten wir diese Strukturen nicht gegeneinander ausspielen, sondern ihre jeweiligen Stärken nutzen.«
Andreas Philippi (SPD), Niedersachsens Gesundheitsminister, gab kürzlich bekannt, dass er sich in den Streit eingeschaltet habe. Er habe mit den Vertreterinnen und Vertretern sowohl der Ärzteschaft als auch der Apothekerschaft Gespräche geführt und sich für mehr Zusammenarbeit ausgesprochen.
Auch mehrere Impfstoffhersteller erklären auf Nachfrage der PZ, dass die Erhöhung der Impfzahlen das Wichtigste sei.
»Wir begrüßen jede Initiative, die dazu beiträgt, die Impfquoten zu erhöhen und das Bewusstsein für die Bedeutung von Schutzimpfungen zu stärken«, schreibt Astrazeneca. Das britisch-schwedische Pharmaunternehmen möchte, dass die Diskussion über die Rolle der unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure beim Impfen »sachlich und mit dem gemeinsamen Ziel einer besseren Impfprävention« geführt werde. »Dass die Apotheken ihren Beitrag leisten können, sieht man an steigenden Impfzahlen in den Apotheken«, so Astrazeneca. Das Unternehmen wünscht sich auch eine Fortführung der Diskussion darüber, wie Apotheken zur Steigerung der Impfquoten beitragen können.
Auch Sanofi unterstützt »alle Maßnahmen«, die den Zugang zu Impfungen erleichtern und zu höheren Impfquoten führen. Laut dem Unternehmen können sowohl niedrigschwellige Angebote wie Apothekenimpfungen als auch eine stärkere Einbindung von Haus- und Fachärzten dazu beitragen. »Nur im Zusammenspiel von Industrie, Ärzteschaft, Apotheken und Politik können wir Impfquoten nachhaltig steigern und Patientinnen und Patienten bestmöglich schützen«, teilt der französische Pharmakonzern der PZ mit.
Für den Impfstoffhersteller GSK (GlaxoSmithKline) ist es entscheidend, den Zugang zu empfohlenen Impfungen so einfach, zügig und niedrigschwellig wie möglich zu gestalten, Menschen verlässlich über deren Nutzen aufzuklären sowie Empfehlungen auszusprechen. »Als gemeinsames Ziel für unser Gesundheitssystem sehen wir, bestehende Impflücken zu schließen, das Vertrauen in Impfungen zu stärken und mehr Menschen zu schützen«, schreibt das Unternehmen auf Anfrage der PZ.
Tatsächlich verfehlt Deutschland das Impfziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das 2003 gesteckte Ziel besagt, dass 75 Prozent der über 60-Jährigen gegen Influenza geimpft werden sollen. Doch im vergangenen Dezember meldete das Robert Koch-Institut (RKI) den niedrigsten Stand seit 17 Jahren bei den Grippeimpfungen bei Menschen über 60 Jahren. Demnach sank die Quote der Standardimpfung gegen Influenza in dieser Personengruppe in der Saison 2024/2025 auf 34 Prozent.
Es gibt jedoch auch einen Lichtblick: Anfang des Monats meldete die Techniker Krankenkasse (TK), dass die Zahl der Grippeimpfungen zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder leicht gestiegen ist. Laut einer aktuellen Auswertung der Krankenkasse nahmen im Winter 2025/2026 rund 40 Prozent der über 60-jährigen TK-Versicherten eine Grippeschutzimpfung in Anspruch.