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England

Apotheker sollen Anzeichen für Krebs erkennen

Der nationale Gesundheitsdient NHS hat schon wieder eine neue Aufgabe für das Apothekenpersonal in England. Nun soll es bei den Kunden frühzeitig Anzeichen für Krebs ausmachen. Dafür soll es Geld geben.
Jennifer Evans
17.06.2022  10:30 Uhr

Bei Verdacht auf Krebs, ab zum Scan. Nun soll das Apothekenpersonal in England das Gesundheitssystem dabei unterstützen, Krebserkrankungen frühzeitig auf die Spur zu kommen. Wie der National Health Service (NHS) England mitteilte, sollen die Apothekenmitarbeiter dafür ein wachsames Auge auf ihre Kunden werfen. Wer seit längerer Zeit hustet, über Schluckbeschwerden oder Blut im Urin klagt, wird zur Untersuchung in ein örtliches Diagnosezentrum geschickt. Und zwar direkt – ohne Umweg über den Hausarzt und ausschließlich auf Anraten des Apothekers.

Ziel des landesweiten Pilotprojekts ist es, Tumore bereits im Frühstadium zu identifizieren, um diese schneller behandeln zu können. Außerdem will der NHS nach eigenen Angaben Menschen die Möglichkeit geben, mit Gesundheitspersonal aus der Umgebung in Kontakt zu treten, um Symptome untersuchen zu lassen. »Wir wollen es den am meisten gefährdeten Menschen so einfach wie möglich machen, lebenswichtige Tests zu erhalten«, betonte die Direktorin des NHS England, Amanda Pritchard. Die Apotheken sollen für ihren Einsatz auch ein Honorar bekommen, wie viel steht aber offenbar noch nicht fest.

Aufgaben der Apotheken ausbauen

Die Initiative setzt auf die Apotheken vor Ort, weil das Personal seine Patienten gut kennt und regelmäßig sieht. Helga Mangion, die politische Leiterin beim britischen Apothekerverband, hält das Pilotprojekt zur Krebsdiagnose für eine »großartige Gelegenheit, die klinische Rolle der Apothekenteams weiter auszubauen, die Früherkennungsraten zu erhöhen und die Ergebnisse für die Patienten zu verbessern«.

Das Projekt ist Teil des sogenannten NHS Long-Term-Plan, der das britische Gesundheitswesen schrittweise reformiert und in dem auch die Sensibilisierung für Krebserkrankungen eine zentrale Rolle spielt. Außerdem folgt der Schritt auf die kürzlich erfolgreiche Einführung von Lungen-Trucks. Jeden Monat hat der NHS seitdem nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Menschen in mobilen Fahrzeugen vor Supermärkten und Fußballstadien zu Untersuchungen eingeladen, um sich dort auf eine Krebserkrankung der Lunge checken zu lassen.

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