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DAV-Festveranstaltung 

Apotheker sind »Botschafter der Vernunft«

Als der Deutsche Apothekerverband vor 150 Jahren gegründet wurde, war das Schloss Charlottenburg Sommerresidenz der preußischen Könige. Und die Große Orangerie der Ort für ihre prachtvollen Hoffeste. Auch am gestrigen Montagabend durfte der Bau im Barockgarten des Schlosses erneut Schauplatz sein – für die Jubiläumsveranstaltung zum Geburtstag des DAV. 
Jennifer Evans
11.10.2022  12:15 Uhr

Mitten im Deutschen Kaiserreich, als die industrielle Revolution auf ihrem Höhenpunkt war, entstand im Jahr 1872 der Deutsche Apothekerverband (DAV). Nicht lange sollte es für die neue landesweite Standesvertretung, die bis dato nur regional agiert hatte, dauern, bis der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck am 15. Juni 1883 das sogenannte »Gesetz betreffend der Krankenversicherung der Arbeiter« erließ. Die Geburtsstunde der Gesetzlichen Krankenversicherung also – oder wie der DAV-Vorsitzende Thomas Dittrich es in seiner Begrüßungsrede formulierte: »Ab da war der Disput vorprogrammiert.«

Seitdem hat sich viel getan. Heute sind die Apotheken vor Ort nicht mehr nur analog für ihre Patienten erreichbar, sondern auch digital. Eine Qualität, die bei Sepp Müller, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion, höchste Anerkennung und Respekt genießt. »Die Gesundheitskioske von heute waren vor 150 Jahren die Apotheken«, scherzte er in seinem Grußwort. Deutlich ernster wurde er allerdings, als er betonte, dass die Politik nicht bei den Apotheken sparen sollte. »Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist«, sagte er.

Der Berufsstand der Apotheker ist im »real life« immerhin der präsenteste unter den freien Berufen, quasi das »Schaufenster der Freiberuflichkeit«. Das hob Friedemann Schmidt, Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe, hervor. Damit komme den Pharmazeuten auch eine wichtige Aufgabe und Verantwortung mit Blick auf das Gemeinwohl zu. Die Apotheker sind in Schmidts Augen nämlich die »Botschafter der Vernunft«. Und so häufig die Selbstständigkeit auch Last und Risiko mit sich bringe, so sei sie doch ein Privileg. »Ein Geschenk, für das es sich zu kämpfen lohnt«, so Schmidt.

Fritz Becker bekommt Hans-Meyer-Medaille

Wie eng die Apotheker im DAV seit 150 Jahren zusammenstehen, bewunderte Hans-Georg Feldmeier, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der pharmazeutischen Industrie (BPI). Er wünschte sich, auch seine Branche würde stärker zusammenrücken. Der Apothekergeist verbindet. Da war sich auch Michael Dammann, Geschäftsführer beim Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro), sicher. Er sieht die Apotheken auf jeden Fall als seine »engsten Partner«.

Mit anderen im Gespräch zu bleiben und über den Tellerrand zu schauen, ist sicher ein guter Rat für jeden Berufsstand, der geschlossen auftreten und bei der Politik etwas erreichen will. Einer hat das für den DAV in besonderer Weise getan: der ehemalige DAV-Chef Fritz Becker. Für sein unermüdliches Engagement und  seine herausragenden Verdienste verlieh ihm ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung die Hans-Meyer-Medaille, die höchste Auszeichnung der deutschen Apothekerschaft.

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