Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Cholera und Überschwemmung 
-
Apotheker ohne Grenzen beenden Mosambik-Einsatz

Im Februar reiste eine Nothilfeeinheit des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Kooperation mit Apotheker ohne Grenzen (AoG) nach Mosambik, um einen Choleraausbruch zu bekämpfen. Jetzt sind die Helfer zurück und melden einen Erfolg. 
AutorKontaktPZ
Datum 10.03.2026  09:30 Uhr

Zum Jahreswechsel wurde Mosambik von einer der schwersten Überschwemmungskatastrophen der vergangenen Jahrzehnte getroffen. Die Wassermassen brachten die Gefahr eines Choleraausbruchs mit sich. Daher reisten der Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland (ASB) und Apotheker ohne Grenzen (AoG) in das ostafrikanische Land, um einen Ausbruch der Krankheit zu verhindern und Gesundheitspersonal zu schützen. Jetzt kehren die Nothilfeteams zurück und ziehen ein positives Fazit. 

Laut einer Pressemitteilung von Apotheker ohne Grenzen leistete die schnelle ASB-Nothilfeeinheit FAST (First Assistance Samaritan Team) in Kooperation mit AoG in der Provinz Tete, einem Brennpunkt des Cholera-Infektionsgeschehens im Nordwesten des Landes, einen maßgeblichen Beitrag zur Eindämmung und Prävention der Durchfallerkrankung. Durch den Aufbau von Cholera-Behandlungsstationen sowie die Inbetriebnahme von Wasserfiltersystemen konnte die Versorgungslage in der betroffenen Region demnach spürbar verbessert werden.

Edith Wallmeier, ASB-Geschäftsführerin Einsatzdienste und Bildung, berichtet: »Unsere Einsatzteams wurden von der lokalen Bevölkerung mit offenen Armen empfangen. Dieses Vertrauen trug ebenso zum Gelingen des Projekts bei wie die hervorragende Zusammenarbeit mit unseren Partnerorganisationen Apotheker ohne Grenzen und Watsan Mozambique. Unser besonderer Dank gilt allen beteiligten Ehrenamtlichen, deren freiwilliges Engagement einen echten Unterschied gemacht hat.«

Enge Zusammenarbeit

»Nach mehreren gemeinsamen Trainings mit dem ASB in den vergangenen beiden Jahren war das unser erster gemeinsamer Nothilfe-Einsatz«, sagt AoG-Vorstandsmitglied Petra Isenhuth, die den Einsatz als pharmazeutische Einsatzkraft begleitete. »Wir waren eng abgestimmt und die Rollen klar verteilt – das ist eine wichtige Voraussetzung bei der Bewältigung solcher Ausnahmesituationen wie sie eine Nothilfe immer darstellt. Im Einsatz hat mich die Tatkraft der Menschen vor Ort nachhaltig beeindruckt. Die Freiwilligen stellen ihre persönlichen Verpflichtungen zurück, um ihre Communities zu unterstützen – dieses Engagement verdient größten Respekt.«

Nach Angaben von AoG waren die ehrenamtlichen Teams rund zweieinhalb Wochen (vom 16. Februar bis 3. März 2026) mit insgesamt zwölf Einsatzkräften in der Provinz Tete im Nordwesten Mosambiks. Dort kämpften sie gegen einen unsichtbaren Feind: Zwar blieb die Region von den großflächigen Überschwemmungen im Land infolge schwerer Regenfälle verschont. Doch die Cholera-Epidemie hatte sich bereits bis dorthin ausgebreitet, die Fallzahlen sind in Tete landesweit mit am höchsten.

In der abgelegenen Siedlung Nhansosa leben geschätzt 4000 Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung – ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Durchfallkrankheiten, mehrere Todesfälle waren bereits zu verzeichnen.

Sauberes Trinkwasser für rund 4000 Menschen

Nach Aussage der Hilfsorgansiationen wurden in der weitläufigen Ansiedlung zwei neue Wasserfiltersysteme installiert. Die Arbeiten fanden in enger Abstimmung mit den lokalen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung vor Ort statt.  Damit haben die rund 4000 Bewohnerinnen und Bewohner erstmals Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zusätzlich errichteten die Einsatzteams zwei Cholera-Behandlungsstationen, in denen die unbehandelt lebensgefährliche Krankheit mithilfe einer einfachen oralen Rehydrationslösung schnell und kostengünstig behandelt werden kann.

Die Einsatzkräfte von Arbeiter-Samariter-Bund und Apotheker ohne Grenzen schulten demnach im Anschluss Freiwillige aus den Gemeinden und Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden im Weiterbetrieb der Cholera-Station und der Wartung der Wasserfilter sowie in Hygiene- und Präventionsmaßnahmen. Parallel tragen die vor Ort angelaufenen Impfmaßnahmen der WHO dazu bei, das Infektionsgeschehen weiter unter Kontrolle zu bringen.

»Ein äußerst effektives Pilotprojekt«

Die Gefahr von Extremwetterereignissen steigt weltweit aufgrund des Klimawandels – und damit auch das Risiko langanhaltender Choleraausbrüche. Daher entschied sich die Gemeinschaft deutscher Emergency Medical Teams (EMT) erst im vergangenen Jahr dazu, eine rasch einsatzfähige Cholera-Einheit aufzubauen. Ziel ist es, die örtliche Gesundheitsversorgung während eines Choleraausbruchs zu entlasten und durch frühzeitige Behandlung schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden.

Dieses Konzept wurde laut der Pressemitteilung nun zum ersten Mal durch den ASB in Kooperation mit Apotheker ohne Grenzen in der Praxis erprobt. »Der Einsatz war ein äußerst effektives Pilotprojekt« sagt Arielle Kaim von der Universität Tel Aviv, die das Projekt aus wissenschaftlicher Perspektive begleitete. Die Expertin für Katastrophenmedizin zeigt sich »besonders beeindruckt, wie eine Pilotinitiative nur wenige Monate nach der Schulung des Teams so effektiv in einem realen Kontext umgesetzt wurde.«

Den finanziellen Aufwand von rund 50.000 Euro für das Projekt leistete der ASB aus Eigenmitteln der Aktion Deutschland Hilft, deren Mitglied die Organisation ist. Für die Weiterführung der Maßnahmen und zur nachhaltigen Verbesserung der Gesundheitssituation in Mosambik bitten der ASB und AoG indes weiterhin um Spenden. Denn auch wenn die Neuerkrankungen in der Provinz Tete langsam zurückgehen, hält der Cholera-Ausbruch in Mosambik nach wie vor an.

THEMEN
WHO

Mehr von Avoxa