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Treuhand-Dialog
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Apothekenreform – wer profitiert?

Die Wirtschaftszahlen der Apotheken werden in diesem und im kommenden Jahr durch verschiedene Reformen durcheinandergewirbelt. Beim Treuhand-Dialog in Hamburg wurden aktuelle Zahlen und Prognosen für 2027 präsentiert.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 12.10.2026  10:10 Uhr

Sebastian Schwintek, Generalbevollmächtigter der Treuhand Hannover, prognostizierte für eine durchschnittliche Apotheke einen Umsatz von 4,2 Millionen Euro. Der Rohgewinn könnte demnach bei 2,9 Prozent liegen. Dass das Apothekensterben sich abflacht, wertet er als Vorzeichen einer wirtschaftlichen Besserung. Doch auch in diesem Jahr werden aufgrund von geschätzt 230 Schließungen 400 Millionen Euro als »Nachlass« umverteilt.

In den Betriebsergebnissen macht sich das zum Juli auf 9 Euro gestiegene Fixum bemerkbar. »Im zweiten Halbjahr werden wir eine deutliche Aufhellung sehen«, so Schwintek, der für 2026 mit durchschnittlich 182.000 Euro rechnet.

Allerdings sind im bisherigen Jahresverlauf auch über dem Inflationsniveau gestiegene Betriebskosten (+3,4 Prozent) und Personalkosten (+3,9 Prozent) zu beobachten. Wirtschaftlich schwächere Apotheken bleiben aber unter Druck: Im unteren Drittel lag das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr 2026 bei 11.000 Euro, der Umsatz bei 1,461 Millionen Euro. Laut Schwintek sind in diesem Segment überdurchschnittlich viele Filialen – im Verbund könnten sich auch solche Betriebe noch lohnen.

Kleine Apotheken unter Druck

Das massive Wachstum im Versandhandel von 2024 auf 2025 (+56 Prozent) schwächt sich 2026 hochgerechnet zwar etwas ab (+23 Prozent), doch im neuen Jahr könnte der Druck aus dieser Richtung zunehmen – wenn ausländische Versender die ab 2027 höhere Zuzahlung erlassen. Hier kommt es laut Schwintek darauf an, ob die Politik diese unfairen Bedingungen beendet. Im Rx-Bereich liegt der Versandanteil derzeit bei 2,1 Prozent Marktanteil, bei OTC bei über 27 Prozent.

Doch gerade in der Selbstmedikation sieht Schwintek Potenzial für Apotheken, wenn sie ihr Sortiment aktiver nach Bedarf steuern, den Einkauf durch Direktbezug optimieren und auf datengestütztes Pricing sowie Couponing setzen. Trends wie Longevity seien für Apotheken ein super Thema, Apotheken würden derzeit aber noch zu oft als »Reparaturbetrieb« gesehen. Inhaber sollten das Plus aus der Honorarerhöhung möglichst jetzt ins Team investieren und mit Schulungen zu Kundenansprache und Preissensitivität ungenutzte Absatzchancen erkennen.

OTC bietet Chancen

Schwintek rechnete vor: Wenn jeder fünfte Kunde eine durchschnittliche Non-Rx-Packung zusätzlich kaufe, könnte eine Apotheke 146.000 Euro Umsatz und 53.000 Euro Rohgewinn pro Jahr hinzugewinnen – das sei fast ein Äquivalent zur Honorarerhöhung.

Die gestaffelte Honorarerhöhung bringt einer durchschnittlichen Apotheke im kommenden Jahr gegenüber 2025 ein Plus beim Rohertrag von 55.500 Euro, der höhere Abschlag ab Januar kostet sie aber 10.500 Euro. Dafür schlägt die höhere Notdienstvergütung mit 8800 Euro positiv zu Buche.

Das Potenzial durch die Skonto-Freigabe hängt sehr von den individuellen Bedingungen der Apotheke ab. Schwintek räumte aber mit einem Gerücht auf, das vom Großhandel noch gestreut werde: »Es gibt keine Begrenzung auf Zinsvorteile!« Mit Blick auf die Personalkosten gilt: Jeder Prozentpunkt Lohnerhöhung aus Tarifabschlüssen kostet eine typische Apotheke 3700 Euro.

Impfen und aTM

Während Schwintek davon ausgeht, dass Impfungen in Apotheken deutlich an Bedeutung gewinnen werden, zeigte er sich bei assistierter Telemedizin noch skeptisch: »Wenn Sie sich eine 80.000-Euro-Kabine hinstellen, wird das finanziell nichts werden.« Apotheken sollten aus seiner Sicht kleiner starten und nach einem Jahr eine Bilanz ziehen.

Wenig lukrativ dürfte auch die neu geschaffene Option sein, Zweigapotheken zu gründen. Denn die Kriterien sehen eine gewisse Abgelegenheit vor, gleichzeitig muss es ausreichend Kunden geben – und die dürfen für die Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht vom Hauptbetrieb abgezogen werden. Den Break-even sieht Schwintek bei 11.500 Kunden und 805.000 Euro Umsatz.

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