Auch in größeren Städten Brandenburgs wie Potsdam, Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) befinden sich laut Barmer in der Regel mindestens elf Apotheken im Umkreis von sechs Kilometern. / © Imago Images/photothek
Trotz fortschreitender Apothekenschließungen und wachsender wirtschaftlicher Herausforderungen für viele Betriebe fordert die Barmer eine differenzierte Betrachtung der Versorgungssituation der Menschen in den jeweiligen Regionen. »Eine Pauschalförderung aller Apotheken mit der Gießkanne wäre nicht gerechtfertigt«, erklärte die Barmer-Landeschefin Gabriela Leyh. Laut Leyh müsse auch der Versandhandel für Arzneimittel in der laufenden Debatte berücksichtigt werden, »ohne die Bedeutung wohnortnaher Apotheken gänzlich außer Acht zu lassen«.
Mit Verweis auf die Auswertung des Barmer-Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) erklärte die Barmer Landesvertretung Berlin-Brandenburg vergangene Woche, dass die Dichte an Apotheken in Berlin bundesweit am höchsten sei. Dort gebe es im Schnitt rund 104 Apotheken in einem Radius von sechs Kilometern. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen würden Einwohnerinnen und Einwohner in einem Radius von sechs Kilometern durchschnittlich etwa acht Apotheken vorfinden.
Selbst im Berliner Umland sei die Versorgung durch Apotheken deutlich dichter als zum Beispiel in einigen ländlich geprägten Teilen Brandenburgs. Auch in größeren Städten Brandenburgs wie Potsdam, Cottbus, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) befinden sich laut Barmer in der Regel mindestens elf Apotheken im Umkreis von sechs Kilometern.
Auch für ältere Menschen sind Apothekenstandorte in Berlin der Barmer-Analyse zufolge sehr gut erreichbar. So würden ab 65-Jährige im Umkreis von sechs Kilometern im Durchschnitt etwa 93 Apotheken finden. Im benachbarten Brandenburg seien es in diesem Radius knapp acht Standorte. »Wohnortnahe Versorgungsangebote durch Apotheken sind gerade für ältere Menschen wichtig. Gleichzeitig gewinnen besonders in diesem Zusammenhang ergänzende Lösungen wie Botendienste oder digitale Angebote zunehmend an Bedeutung«, so die Barmer-Landeschefin.
In ländlichen Regionen würden sich hingegen Unterschiede zeigen. In dünn besiedelten Gebieten der Uckermark oder der Prignitz müssten einzelne Einwohnerinnen und Einwohner durchaus längere Wege zur nächsten Apotheke zurücklegen, während die Versorgung im Berliner Umland deutlich dichter sei. So betrage die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Apotheke etwa in Ostprignitz-Ruppin 3,9 Kilometer und im Kreis Spree-Neiße rund 2,9 Kilometer. In Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam beträgt die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Apotheke 0,95 Kilometer.
Zwar bezeichnet der Apothekerverband Brandenburg die pharmazeutische Versorgung der Menschen in Brandenburg als stabil, trotzdem mussten in den vergangenen zehn Jahren in Brandenburg 10 Prozent der Apotheken dichtmachen. Mathias Braband-Trabandt, stellvertretende Geschäftsführer des Verbands, warnte in der »Märkischen Allgemeinen« vor einem Apothekensterben und der geplanten Erhöhung des Rabattes, den Apotheken den Krankenkassen für verschreibungspflichtige Arzneimittel gewähren müssen: »Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies faktisch eine von der Politik in Kauf genommene Leistungskürzung und Mehrbelastung.« Der Verband fordert deshalb eine Erhöhung der Vergütung und die Einführung des Studiengangs Pharmazie in Brandenburg.