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Neue Studie zur Kognition

Anticholinergika bei Älteren mit Bedacht einsetzen

Bei älteren Erwachsenen mit bislang normaler kognitiver Funktion können Anticholinergika das Risiko für einen geistigen Abbau erhöhen – insbesondere, wenn sie genetische Risikofaktoren für eine Alzheimer-Demenz tragen.
PZ/Aponet (zou)
07.09.2020  16:00 Uhr

Anticholinergika, die beispielsweise bei Allergien, Parkinson, Bluthochdruck, Harninkontinenz, Reisekrankheit und Depressionen eingesetzt werden, stehen mit einem erhöhten Risiko für Denk- und Gedächtnisprobleme in Zusammenhang. Das macht sich insbesondere bei Menschen mit einer erblichen Veranlagung für die Alzheimer-Krankheit bemerkbar, zeigt eine neue Studie mit 688 bislang kognitiv unauffälligen Patienten, die im Schnitt 73,5 Jahre alt waren.

Menschen, die mindestens ein Anticholinergikum einnahmen, entwickelten im folgenden Jahrzehnt mit 47 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit eine leichte Beeinträchtigung der Gedächtnis- und Denkfähigkeit, als Menschen, die solche Medikamente nicht verwendeten, fanden Forscher der Alzheimer's Disease Neuroimaging Initiative heraus. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Online-Ausgabe von »Neurology« veröffentlicht. Personen, die in ihrem Nervenwasser Biomarker für die Alzheimer-Krankheit aufwiesen, entwickelten bei der Einnahme von Anticholinergika später sogar viermal häufiger leichte Beeinträchtigungen als Menschen, die die Medikamente nicht einnahmen und diese Biomarker nicht hatten. Auch bei Personen mit einer erblich bedingten Veranlagung für die Alzheimer-Krankheit war das Risiko unter der Einnahme von Anticholinergika etwa 2,5-mal höher als bei Menschen ohne diese Veranlagung, die solche Medikamente nicht nahmen.

Zudem zeigte sich, dass viele Menschen diese Medikamente überdosierten. »Dies ist ein potenzieller Verbesserungsbereich, der möglicherweise zu einer Verringerung der Fälle von leichten geistigen Beeinträchtigungen führen könnte«, sagte Dr. Lisa Delano-Wood von der University of California in San Diego. Das Autorenteam schlägt vor, mehr Deprescribing-Studien für Anticholinergika durchzuführen.

Personen, die Anticholinergika einnehmen, sollten diese nicht einfach absetzen. Wer sich unsicher ist, bespricht die Einnahme am besten mit seinem Arzt oder Apotheker, bevor eigenmächtig Änderungen vorgenommen werden.

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