| Johanna Hauser |
| 24.02.2026 16:20 Uhr |
Antibiotikaresistenzen stellen zunehmend eine Gefahr dar. / © Adobe Stock/Mohammed
Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung wisse nicht, dass Antibiotika ausschließlich gegen bakterielle Infektionen wirksam sind, verdeutlichte Daniel Finke, Apotheker aus Osnabrück, im Rahmen der Hermann-Hager-Tagung der Landesapothekerkammer Brandenburg. Auch gebe es Ärzte, die Antibiotika immer noch bei unspezifischem Fieber oder Fließschnupfen verordneten. Jede zweite Antibiotika-Therapie in Deutschland sei nicht zielführend.
So sollten beispielsweise Breitbandantibiotika den Menschen vorbehalten bleiben, deren Therapie äußerster Eile bedarf, da akute Lebensgefahr besteht – sprich, dem stationären Bereich. Hier könne man oft nicht warten, bis ein Antibiogramm erstellt sei und müsse sofort behandeln. Resistenzen gegen solche Arzneistoffe aufgrund unsachgemäßen Einsatzes im ambulanten Bereich gefährde diese Patienten.
Antibiotika sind gemäß aktueller Leitlinien unter anderem der Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) bei einer Rhinosinusitis, Mandel- und Mittelohrentzündung, (Pseudo-)Krupp und akuter Bronchitis nicht indiziert. Eine Gabe kann in medizinisch begründeten Ausnahmefällen erwogen werden. Die einzige Atemwegserkrankung, bei der Antibiotika wirklich indiziert sind, ist der bakteriell verursachte Keuchhusten. Hier soll die Behandlung schnellstmöglich beginnen.
Die Auswahl des Antibiotikums spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, denn ein rationaler Einsatz wirkt Resistenzbildungen entgegen. Dieser sollte nur nach strenger Indikationsstellung, gezielt in der richtigen Dosierung und Dauer, unter Berücksichtigung aktueller und örtlicher Resistenzsituationen gemäß Daten des Robert-Koch-Instituts sowie des Immunzustands des Patienten erfolgen. Doch die Praxis sehe anders aus, so Finke.
Niedergelassene Ärzte verordnen die Antibiose häufig nach Haupterreger der geschilderten Symptome (»kalkulierte Therapie«) – leider teils, ohne die Situation des Patienten oder lokalen Resistenzsituationen zu beachten. Denn eigentlich sollten Patienten nach zwei bis drei Tagen angesprochen werden, ob sich die Symptome verbessert haben.
Auch die Erwartungshaltung des Patienten (Antibiotikum wird eingefordert), unzureichende Beratung des Patienten und schlechte Compliance spielen bei der Resistenzentwicklung eine Rolle. Außerdem würden Antibiotika-Verordnungen nicht kritisch genug hinterfragt. Im Krankenhaus stelle Antibiotic Stewardship sicher, dass Antibiotika-Verordnungen kontrolliert würden, im ambulanten Bereich gibt es leider noch kein etabliertes Pendant.