Den globalen Bedarf schätzen die Wissenschaftler auf 43 Milliarden Tagesdosen im Jahr 2019. Bei einer Weltbevölkerung von damals weniger als acht Milliarden Menschen entspricht diese Gesamtmenge grob einer Antibiotika-Kur jährlich pro Person mit mehreren Tagesdosen. Einer publizierten Schätzung zufolge wurden 2018 etwa 40,2 Milliarden Tagesdosen weltweit verbraucht.
»Überverbrauch und mangelnder Zugang werden in der Studie deutlich«, erklärt Dr. Tim Eckmanns vom Robert Koch-Institut in Berlin. Er betont, dass Deutschland etwas zu viele Antibiotika insgesamt und deutlich zu viele »Watch«-Antibiotika verbrauche. »Dies liegt auch daran, dass in den Leitlinien in Deutschland oft Watch-Antibiotika empfohlen werden, obwohl Access-Antibiotika angebracht wären.«
Professor Dr. Mathias Pletz vom Universitätsklinikum Jena weist darauf hin, dass in Deutschland zuletzt viele ukrainische Kriegsverletzte behandelt wurden. Diese hätten für ihre Knocheninfektionen mit multiresistenten Erregern viele Reserve-Antibiotika benötigt. »Da sich die verwendeten Verbrauchsdaten auf 2019 beziehen, ist dieser konkrete Effekt darin zwar noch nicht enthalten, er zeigt aber grundsätzlich, wie anfällig diese Normierung für solche Verzerrungen ist«, sagt Pletz. Diese Art von Verzerrungen hätten die Autoren für ihre Studie nicht berücksichtigt.