Welches Antibiotikum wirkt noch zuverlässig gegen welchen Erreger? Über ein digitales Tool können Ärzte nun aktuelle Informationen zur Resistenzlage abrufen. / © Getty Images/Md Babul Hosen
Über die neue Anwendung, die auf der Seite des Instituts abrufbar ist, informiert das Robert Koch-Institut (RKI) in einer Pressemitteilung. Sie soll Ärzten in Praxen und Kliniken dabei helfen, die bestmögliche Therapie auszuwählen sowie einem Therapieversagen und der weiteren Ausbreitung von Resistenzen entgegenzuwirken. Grundlage sind die Daten der Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des RKI, die Antibiotikaresistenzen aus dem ambulanten und stationären Bereich in Deutschland erfasst.
Zwar sind die Hersteller von Antibiotika verpflichtet, Angaben zur aktuellen Resistenzlage in den Fachinformationen bereitzustellen. Jedoch sind diese nicht immer auf dem aktuellen Stand und nicht zentral abrufbar. Diese Lücke soll nun das neue Tool mit jährlich aktualisierten Daten aus der Antibiotika-Resistenz-Surveillance schließen.
Das Tool zeige auf einen Blick die Resistenzanteile relevanter Erreger-Antibiotikum-Kombinationen in Deutschland, teilt das RKI mit. Mithilfe verschiedener Filter können Ärzte gezielt nach verschiedenen Antibiotika und Erregern suchen. Die Wirkstoffe sind dabei nach den WHO-AWaRe-Kategorien »Access«, »Watch« und »Reserve« geordnet. Access-Antibiotika gelten als bevorzugte Therapieoptionen, da sie wirksam sind und ein vergleichsweise geringes Risiko für die Entwicklung von Resistenzen aufweisen. Watch-Antibiotika sollen aufgrund ihres höheren Resistenzpotenzials nur gezielt eingesetzt werden. Reserve-Antibiotika bleiben der Behandlung schwerer Infektionen mit multiresistenten Erregern vorbehalten und sollen restriktiv eingesetzt werden.
Das Tool unterstützt damit einen verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika im Sinne des Antibiotic Stewardship. Entwickelt wurde die Anwendung im Rahmen des Projekts AntibioResDE von RKI und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).