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Demenz

Alzheimer-Impfung in Phase II erfolgreich

Endlich einmal gute Nachrichten aus der Alzheimer-Forschung: Der experimentelle Impfstoff AADvac1 bewies in einer Phase-II-Studie bei Patienten mit leichter Alzheimer-Erkrankung krankheitsmodifizierendes Potenzial.
Daniela Hüttemann
12.09.2019
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Bei AADvac1 handelt es sich um einen aktiven Impfstoff, der die Produktion von Antikörpern gegen die pathologisch veränderte Variante des tau-Proteins ankurbeln soll. Modifizierte tau-Proteine neigen dazu, sich zu verkleben und innerhalb der Nervenzellen abzulagern, was zum Absterben der Neuronen führt. Auch bei Alzheimer-Patienten lassen sich tau-Ablagerungen nachweisen.

Laut Hersteller Axon Neuroscience handelt es sich bei AADvac1 um den einzigen Impfstoff in der Entwicklung, der nicht nur die Ausbreitung bereits gebildeter Klumpen verhindern, sondern auch die Bildung solcher Ablagerungen unterbinden soll. Unternehmensangaben zufolge unterscheiden die durch AADvac1 gebildeten Antikörper zwischen physiologischem und krankhaftem tau-Protein, was wichtig für die Sicherheit des Impfstoffs ist.

Das Sicherheitsprofil wurde jetzt in der ADAMANT-Studie belegt. An der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-II-Studie nahmen 196 Alzheimer-Patienten in acht Ländern teil. Wie Axon berichtet, gab es keinen Unterschied bei der Inzidenz und Art unerwünschter Wirkungen zwischen Verum- und Placebogruppe. Es wurden keine Sicherheitssignale detektiert. 

Als sekundärer Endpunkt wurde die Induktion von Antikörpern gegen pathologisches tau-Protein untersucht. Demnach konnten bei 98,2 Prozent der Verum-Gruppe entsprechende Antikörper gemessen werden. Axon spricht von einer »ausgezeichneten Immunogenität«. Ein Ansprechen auf die Therapie wurde über den Surrogatmarker NfL gemessen, der mit der Neurodegeneration korreliert. NfL steht für Neurofilament-Leichtkette. »Es zeigte sich eine deutliche Verlangsamung des erwarteten Anstiegs von NfL bei den mit AADvac1-behandelten Patienten, was über zwei Jahre hinweg eine Veränderung von 12,6 Prozent vom Ausgangswert aus gegenüber 27,7 Prozent bei Patienten mit Placebo (p-Wert = 0,0039) zeigte«, teilt der Hersteller mit. Dies deute darauf hin, dass die Impfung das Fortschreiten des neurodegenerativen Prozesses verlangsame, und zwar auf ein Niveau, wie es in der Regel eher bei gesunden Personen beobachtet werde.

Bei einem Teil der Probanden wurde Rückenmarksflüssigkeit mittels Lumbalpunktion gewonnen und untersucht. Zwei Varianten von pathologischem Tau seien niedriger gewesen als ohne Behandlung. Axon spricht von krankheitsmodifizierenden Effekten. Bei jüngeren Probanden habe sich die Impfung auch positiv auf die Ergebnisse kognitiver Tests ausgewirkt.

Axon sucht nun nach einem größeren Partner, um in die nächste klinische Phase mit umfangreicheren Untersuchungen gehen zu können. Die positiven Ergebnisse müssen sich nun zunächst in Studien mit mehr Probanden bestätigen. Auch harte klinische Endpunkte wie die Gedächtnisfunktion müssen genauer untersucht werden. 

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