| Ev Tebroke |
| 16.03.2026 10:00 Uhr |
Bei der Kammerversammlung der Sächsischen Apotheker wurde am Freitag in Chemnitz vor allem auch das Thema PTA-Weiterqualifizierung diskutiert. / © PZ/Tebroke
Kammerpräsident Göran Donner unterstrich die Bedeutung des Fixums als wirtschaftliche Basis für Apotheken: »Wir fordern jetzt eine Erhöhung auf 9,50 Euro. Sie ist längst überfällig«, sagte er am 13. März bei der Versammlung der Sächsischen Landesapothekerkammer (SLAK). Das Argument, bei den Kassen sei kein Geld dafür da, ließ er nicht gelten.
Bei den Ärzten würden jährlich Milliardensummen auf die Honorare aufgesattelt. Jüngste Beispiele dürften hier etwa die Honorarerhöhung von 2,8 Prozent für die Kassenärzte sein oder die seit Herbst 2025 geltende Entbudgetierung bei den Leistungen der Hausärzte, welche die Kassen jährlich mit weiteren 400 Millionen Euro belasten. Dort funktioniere die Aufstockung der Vergütung »ohne Getöse«, sagte er. Donner bekräftigte die rückblickend längst notwendige wirtschaftliche Stärkung der Apotheken: »Wir haben uns die Erhöhung des Fixums lange verdient.«
Was die Systematik der Arzneimittelpreisverordnung (AmPreisV) betrifft, so gibt Donner zu Bedenken, dass sie in der jetzigen Form nicht ewig Bestand haben wird. Es sei daher wichtig, die Argumente von Kassen und Politik für eine mögliche Änderung dieser Systematik anzuhören und ernst zu nehmen. »Wir müssen die Argumente analysieren und uns vorbereiten«, so der Kammerpräsident. Erste Veranstaltungen dazu seien bereits erfolgt. »Ich bin gespannt, zu welchen Ergebnissen wir kommen werden.«
Was den ordnungspolitischen Rahmen und das Thema PTA-Vertretung betrifft, so hält der Kammerpräsident zwar eine Aufwertung des PTA-Berufs für dringend erforderlich: »Es besteht kein Zweifel, dass der Beruf PTA bislang stiefmütterlich behandelt wird«, so Donner. »Es ist dringend Zeit, diesen Beruf für die Zukunft attraktiver zu machen.« Die im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) angedachte Vertretungsbefugnis der PTA sei dafür aber nicht geeignet, betonte der Kammerpräsident.
Wie auch von der ABDA in ihrer Stellungnahme zum Gesetz angeführt, stelle diese Regelung die für den Apothekenbetrieb rechtlich notwendige Anwesenheitspflicht des Apothekers infrage. Kippe diese, falle der »ordnungspolitische Schutzzaun«, warnt Donner.
Er unterstrich aber auch, dass der Gesetzgeber grundsätzlich versuche, durch die in der Reform angedachten Maßnahmen wie PTA-Vertretung und Zweigapotheken, die flächendeckende Versorgung durch Apotheken zu erhalten. »Solange wir selbst keine besseren Ideen liefern, außer der, das Fixum auf 12 Euro zu erhöhen, solange wird der Gesetzgeber auch zu Maßnahmen greifen, die uns nicht gefallen.«
Die Apothekerschaft hält auch die geplante erleichterte Gründung von Zweigapotheken für nicht zielführend und überflüssig. Mit §16 und §17 Apothekengesetz (ApoG) gebe es bereits Regelungen, wie mit einem Notstand in der Arzneimittelversorgung umzugehen ist, erklärte der Kammerpräsident. So könne beispielsweise eine Kommune selbst Schritte ergreifen, um eine Notapotheke zu ermöglichen. Die Tatsache, dass es bundesweit bislang nur zehn Zweigapotheken und keine Notapotheke gibt (Stand: 31. Dezember 2024), beweise jedoch, dass der Bedarf an weiteren Zweigapotheken schlichtweg nicht vorhanden sei.
Da die Voraussetzungen für die Errichtung solcher Zweigapotheken bislang nur dürftig formuliert seien, befürchtet Donner, dass einige Kollegen schon die Gelände sondieren und sich die Rosinen rauspicken. Für ihn steht fest, diese Regelung sei »gut gemeint, aber nicht weit genug gedacht«.
Das größte Potenzial im ApoVWG zur Apothekenstärkung sieht Donner in den Themen, »die die ärztlichen Kollegen so auf die Palme bringen«: allen voran die Abgabe von Rx-Medikamenten ohne Verordnung, die Ausweitung pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL), erweiterte Impfmöglichkeiten in öffentlichen Apotheken und die Möglichkeit, honorierte Präventionsleistungen anzubieten.
Die Ablehnung der Ärzte sei vorhersehbar gewesen, die Argumente dagegen seien aber nicht nachvollziehbar, da diese Möglichkeiten in anderen EU-Staaten längst umgesetzt sind. Originär ärztliche Leistungen wie etwa das Impfen zu übernehmen, hält Donner für unproblematisch. Apotheken impfen bereits seit Längerem mit Erfolg und ohne dass es zu irgendwelchen Komplikationen gekommen sei.
Was das Thema Rx-Abgabe ohne Verordnung betrifft, so nimmt Donner die Bedenken der Ärzte durchaus ernst. Trotz allem werde man um diesen Punkt in der Reform nicht herumkommen, wenn man eine Versorgung in bestimmten Regionen aufrechterhalten wolle. Donner wäre jedoch dafür, dieses Thema in die Hände der Selbstverwaltung zu legen. Er sei sehr sicher, dass es gerade mit den ärztlichen Kollegen in Sachsen zu guten Vereinbarungen kommen würde. Komplett ablehnend steht Donner aber dem Vorhaben gegenüber, dass besagte Rx-Abgabe im Gesetz als Selbstzahlerleistung angedacht ist. Das lasse sich mit Blick auf die Gleichbehandlung gesetzlicher Versicherter nicht rechtfertigen.
Was die Punkte erweiterter pDL und Präventionsmaßnahmen betrifft, so sei ein Arztvorbehalt jedoch nicht nachvollziehbar. Positive Effekte etwa bei der Betreuung der Therapie von Diabetikern seien längst nachgewiesen. Dies gelte auch für die Früherkennung von Herz-Kreislauferkrankungen. Natürlich bleibe die Diagnose und die Therapieeinleitung ein Arztvorbehalt. Aber durch den niedrigschwelligen Zugang in Apotheken gäbe es hier hinsichtlich Prävention ein großes Potenzial. Diese Vorschläge sollten unbedingt im ApoVWG bleiben.
Für Donner ist klar: Veränderung verlangt mehr Engagement und Einsatz als Festhalten an Bewährten, sei aber viel spannender. »Und sie ist auch alternativlos. Denn so wie wir jetzt arbeiten, werden wir in zehn Jahren nicht mehr arbeiten«. Auch in Zukunft werde sicherlich das Arzneimittel im Mittelpunkt der apothekerlichen Arbeit stehen, so der Kammerpräsident. »Aber all die angedachten neuen Leistungen und Veränderungen werden künftig einen erheblichen Teil unseres Arbeitsalltags bestimmen.« Für den Moment bleibe die Fixumserhöhung aber das wichtigste Thema, schloss Donner seinen Bericht.
Kammervizepräsident Daniel Mädler informierte im Anschluss über den geplanten Protesttag am 23. März, den die ABDA ausgerufen hat. Mädler berichtete von dem Zuspruch der Politik zu den Protesten, die bei der Podiumsdiskussion bei der ABDA-Mitgliederversammlung in Berlin geäußert wurden. Sowohl gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Simone Borchardt (CDU) als auch der SPD-Gesundheitspolitiker Matthias Mieves hatten großes Verständnis dafür gezeigt, dass die Apothekerschaft auf die Straße geht. Auch von Länderseite gibt es deutliche Unterstützung für die Proteste. »Politik hört auf das, wo es laut ist«, so der Kammervizepräsident. Er appellierte an die Delegierten, an dem Protest teilzunehmen.
Bei der Diskussion des Berichts ging es dann vor allem auch um das Thema PTA-Weiterbildung und -qualifikation. Es sei wichtig, der Berufsgruppe mehr Verantwortung und attraktive Zukunftsperspektiven zu bieten. Die Fixum-Erhöhung sei das eine, das andere sei es, den Job der PTA voranzubringen. Hier gelte es Lösungen zu finden.
SLAK-Vizepräsidentin Maike Fedders, Vorstandsmitglied der Bundesapothekerkammer(BAK), betonte, auch die BAK arbeite bereits im Hintergrund zum Thema PTA-Weiterbildung. Sebastian Michael, Vizevorstand des Sächsischen Apothekerverbands (SAV), plädierte dafür, dass die Sächsische Apothekerschaft »antizipiert, was kommt«. Davon ausgehend, dass die Reform womöglich die ungeliebte PTA-Regelung bringt, gehe es um die Frage, wie man damit umgeht.
Er regte an, dies jetzt konstruktiv zu überlegen. Man könne schauen, wie andere Freiberufler das Thema Vertretung lösen. Stichwort hier: »Delegation«. Man sollte Ideen und Impulse sammeln. Es sei notwendig, der Politik eine Alternative zu der für die Apothekerschaft inakzeptable PTA-Vertretungsregelung aufzuzeigen.
Per Abstimmung beauftragte die Kammerversammlung im Anschluss den Vorstand, eine Arbeitsgruppe zu initiieren, mit dem Ziel der Weiterqualifizierung der PTA.
Was die Honorierung betrifft, so bekräftigte auch der SAV-Vorsitzende Thomas Dittrich, die Einschätzung des Kammerpräsidenten, dass die Arzneimittelpreisverordnung neue Impulse bekommen wird. »Wir müssen Honorierung anders denken«, so Dittrich, der auch Vorsitzender der Honorierungskommission des Deutschen Apothekerverbands (DAV) ist. Das Thema Fixum werde dabei natürlich immer mitgedacht, versicherte er. Aber, so Dittrich: »Wir werden viel zu sehr für Krankheiten bezahlt und nicht dafür, dass Menschen erst gar nicht krank werden.«
Mit Blick auf den Protesttag am 23. März und entsprechenden Apothekenschließungen, stellte SLAK-Geschäftsführer Frank Bendas nochmal klar, dass die Verbände zum Protest aufrufen, nicht die Kammer. Letztere kümmere sich darum, dass die Versorgung der Patientinnen und Patienten gewährleistet bleibt. Die Kammer hat die Apotheken zudem zur Vorsicht aufgerufen, falls Versorgungsverträge etwa mit Heimen oder zur Zytostatikaherstellung bestehen. Sie sollten vorab mit den Vertragspartnern sprechen, bevor sie an den Protesten teilnähmen, so der Rat.
Abschließend wies Kammerpräsident Donner daraufhin, dass die Kammerversammlung im kommenden Frühjahr eine konstituierende sein wird, dann wird ein neuer Vorstand gewählt. Dann könne man auch einen neuen Ausschuss berufen, der sich mit allen Belangen der PTA beschäftigt. Damit bekomme das Thema noch einmal mehr Gewicht. Darüber hinaus erinnerte Donner die Delegierten daran, dass sie jederzeit die Option hätten, eine Resolution zu verabschieden oder einen entsprechenden Antrag zum DAT einzubringen.