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Suchtgefahr
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Alkoholabhängigkeit bei Frauen erkennen und behandeln

Bei Frauen sind Wirkung und Gefahren von Alkohol teilweise anders als bei Männern. Ein Suchtmediziner und eine Betroffene erklären, wie es zu problematischem Konsum kommt – und was hilft.
AutorKontaktdpa
Datum 29.01.2025  11:00 Uhr

Zum Anstoßen, zum Essen, zum Herunterkommen – es gibt viele Gründe, Alkohol zu trinken. Und auch viele, es nicht zu tun. Denn der Konsum birgt Risiken: Alkoholabhängigkeit ist eine ernste Erkrankung, die jeden betreffen kann und nicht immer erkannt wird. Gerade bei Frauen gibt es ein paar Besonderheiten. Das sind zum einen biologische Faktoren: Frauen haben im Allgemeinen eine geringere Alkoholverträglichkeit als Männer, erklärt Suchtmediziner Professor Dr. Falk Kiefer.

Dies liege daran, dass sie im Durchschnitt kleiner sind, weniger Körpervolumen haben, mehr Fett und weniger Wasser im Körper haben und Alkohol langsamer abbauen. Dadurch erreichen Frauen bei gleicher Trinkmenge eine höhere Blutalkoholkonzentration und die giftige Wirkung des Alkohols entfaltet sich bei ihnen stärker und länger, erklärt Kiefer.

Und: »Die Risiken für Folgeerkrankungen sind bei Frauen ungefähr bereits bei der halben Alkoholmenge im Vergleich zu Männern erhöht«, so der Suchtmediziner. Dazu zählen: depressive Verstimmungen, Angsterkrankungen, Hormonstörungen, Sodbrennen, Magengeschwüre und Abhängigkeit. Hinzu kommt: »Der Zeitraum von Beginn des problematischen Trinkens bis zur Abhängigkeit ist offensichtlich kürzer«, so Kiefer. Die Rede ist oft vom sogenannten Teleskopeffekt. Alkohol ist für Frauen also toxischer.

Das Umfeld und gesellschaftliche Akzeptanz

Auch soziale Faktoren spielen eine Rolle: In der Vergangenheit war Alkoholkonsum bei Frauen gesellschaftlich weniger akzeptiert als bei Männern. Das hat sich verändert – aktuell trinken Frauen, besonders in bestimmten Altersgruppen, zunehmend wie Männer. Sie haben quasi »aufgeholt«.

Bloggerin und Autorin, Mia Gatow, die sich vor sieben Jahren vom Alkohol »befreit« hat, schreibt diese »Angleichungsbewegung« so: »Wir arbeiten so viel wie Männer. […] und wir trinken wie Männer. Auch zur Entspannung, denn wir haben ja genauso viel Stress.« In ihrem Buch »Rausch und Klarheit« beschreibt sie, wie sie ihr Alkoholproblem erkannt hat und warum und wie sie abstinent wurde.

Sie selbst habe »perfekte Voraussetzungen für eine Abhängigkeit« gehabt. »Bei mir kam eigentlich alles zusammen. Ich komme aus einer trinkenden Familie. Mein familiäres Umfeld hat mir das also beigebracht.« Der Alkohol sei immer da gewesen, und gerade deswegen ziemlich unsichtbar. Auch ihr Arbeitsumfeld im Nachtleben sei später mit Mitte zwanzig sehr alkohol- und drogenlastig gewesen.

»Als ich dann nicht mehr in diesem Partyleben war, wurde mein Trinken irgendwann – mit 30 – ein bisschen bürgerlicher und vielleicht ein bisschen schicker.« Dennoch gab es im Umfeld noch etliche Leute, die das unterstützt hätten. »So wie eigentlich die ganze restliche Gesellschaft«, sagt Gatow. »Ich war eigentlich mein ganzes Leben lang eingebettet in eine Welt, in der das Trinken vorbehaltlos unterstützt wurde.«

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