| Cornelia Dölger |
| 21.10.2026 18:00 Uhr |
Einer von 51 Impfkandidaten, die Eva-Maria Lippke beim Impfaktionstag »Gemeinsam für die Region« selbst impfte, war ihr Patenonkel. In den Kommentaren unter Lippkes Social-Media-Post gibt es viel Zuspruch. / © privat
Eigentlich sollte es am vergangenen Samstag erst um 10 Uhr losgehen, aber schon eine halbe Stunde vorher standen die Leute vor den Türen des Gemeindehauses St. Antonius in Mehlingen, um sich impfen zu lassen. Das ließ schon ahnen, dass die Aktion gut ankommen würde in dem rheinland-pfälzischen Ort. Dabei war die Region bislang nicht durch besondere Impffreude aufgefallen. Im Gegenteil: Mehlingen gehört zum Landkreis Kaiserslautern, der zuletzt mit einer der niedrigsten Impfquoten in Rheinland-Pfalz – etwa 30 Prozent – eher das Schlusslicht beim Grippeschutz darstellte.
Das wollte Apothekerin Eva-Maria Lippke ändern. Die Inhaberin der Paracelsus-Apotheke in Mehlingen hatte zusammen mit ihrer Mutter bereits im Frühjahr, als die Impfstoffbestellungen anstanden, die Idee zu einem Impfevent in ihrem Dorf – und zwar mit vereinten Kräften, um möglichst viele Menschen erreichen zu können. »Da war klar für uns, dass wir einfach einen Schritt auf die Ärzte zugehen und das kommunizieren«, so Lippke zur PZ. So holte sie drei Arztpraxen aus der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn mit ins Boot.
Was sie in die Waagschale gelegt habe, sei, dass sie die komplette Organisation übernehme, erklärt Lippke. Kurz darauf startete die Vorbereitung: Impfstoffbestellung, Raumsuche, Gespräche mit den Ärzten. Dann über den Sommer Pause. Und vor gut einem Monat wurde es dann konkret.
Mit dem beginnenden Herbst starteten Lippke und ihr Team die Werbung für ihr Impfevent unter dem Motto »Gemeinsam für die Region«. Kugelschreiber in Spritzenform und mit dem Logo der Paracelsus-Apotheke wurden ausgegeben, Plakate aufgehängt, Flyer verteilt. Auch die Arztpraxen bekamen Werbemittel und machten auf die Aktion aufmerksam.
Am Tag selbst gab es im Gemeindehaus eine zentrale Anmeldung mit zwei Helfern, dazu vier Impfstraßen und Farbcodes, nach denen die Impfkandidaten nach ihren Wünschen eingeteilt wurden. Lippke berichtet: »Da gab es kein Gerangel, wer welchen Patienten bekommt, sondern der Fluss wurde gleichmäßig verteilt und aufrechterhalten.« Konkurrenz war kein Thema, die Stimmung sei sehr gut gewesen, die Patienten fröhlich. In der Wartezeit nach der Impfung hätten viele noch zusammengesessen.
Die Regionalzeitung berichtet über das Event; das kleine Gemeindehaus sei zwischenzeitlich »fast aus den Nähten geplatzt«, schreibt die »Rheinpfalz«. Lippke selbst war von dem Andrang freudig überrascht, musste immer wieder neue Stühle holen, um die Impfkandidaten unterzubringen.
Die Bilanz dieses Samstags in einem Dorf namens Mehlingen: rund 250 Grippeschutzimpfungen, 51 Patienten impfte Lippke selbst, darunter auch ihren Patenonkel, der sich für ein Foto für Social Media zur Verfügung stellte.