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Homöopathie: Apotheker sollen über Placeboeffekt aufklären

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Zahlreiche wissenschaftlich gut gemachte Arbeiten haben gezeigt, dass die Wirkung homöopathischer Arzneimittel nicht über den Placeboeffekt hinausgeht. «Homöopathie ist reine Placebo-Therapie und hat in Apotheken eigentlich schon lange nichts mehr zu suchen», schreibt heute der Mediziner Edzard Ernst in einem Meinungsbeitrag in der «Süddeutschen Zeitung». Ernst ist emeritierter Professor für Alternativmedizin an der University of Exeter in England und hat als junger Arzt selbst homöopathisch gearbeitet, bis ihm Zweifel kamen und er über Wirksamkeit und Sicherheit alternativer Heilmethoden zu forschen begann.

 

In Deutschland erfreut sich die alternative Therapierichtung weiter großer Beliebtheit. Den Einwand, Homöopathie helfe vielen Menschen und Apotheker befriedigten lediglich diesen Bedarf, lässt Ernst nicht gelten. Als Heilberufler seien Apotheker ethischen Grundsätzen verpflichtet. «Als grundlegende Werte gelten hier das Wohlergehen des Menschen, das Verbot zu schaden, und das Prinzip der Menschenwürde», schreibt Ernst. Diese bestimmten, dass Apotheker im Interesse ihrer Kunden handeln, dass sie ehrlichen und zuverlässigen Rat geben und dass sie fachlich kompetent sein müssen. «Gemäß diesen Grundsätzen müssen Homöopathika früher oder später aus den Apotheken verschwinden», fordert Ernst.

 

Zwar hätten die Kunden das Recht, sich das zu kaufen, was sie wollen. Apotheker müssten aber ehrlich und verständlich die Evidenz zur Homöopathie erläutern und auf Präparate mit erwiesener Wirkung hinweisen. «Tut er das in angemessener Weise, so ist es wahrscheinlich, dass viele Kunden seinem Rat folgend kein Homöopathikum kaufen», glaubt der Wissenschaftler. Ähnlich sehe es der Präsident der Australischen Pharmazeutischen Gesellschaft, der folgendermaßen zitiert wird: «Es ist enttäuschend, dass einige Apotheker immer noch Homöopathika anbieten, was nicht dem ethischen Kodex entspricht.» Auch der Berufsverband der Allgemeinmediziner in Australien empfahl demnach seinen Mitgliedern, keine Homöopathika mehr zu verordnen.

 

In Deutschland sind derzeit mehr als 5000 verschiedene Homöopathika registriert. Ernst zitiert Zahlen, nach denen hierzulande 2017 mehr als 50 Millionen Packungen verkauft wurden. «Diese breite Akzeptanz ist verblüffend, denn die Homöopathie ist weder plausibel, noch ist ihre Wirksamkeit belegt», fasst Ernst die Studienlage zusammen.

 

Einer im März veröffentlichten Untersuchung zufolge, die auf Testkäufen in 100 Apotheken beruht, beraten nur die wenigsten Apotheken wissenschaftlich angemessen, wenn es um homöopathische Präparate geht. Im Rahmen eines Beratungsgesprächs zu Erkältungen seien die Testkäuferinnen nur in fünf von 100 Fällen auf den fehlenden Wirksamkeitsnachweis hingewiesen worden, berichtet ein Team um den Soziologen und Psychologen Professor Dr. Tilmann Betsch von der Universität Erfurt in der Zeitschrift «Skeptiker», herausgegeben von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. In 30 Prozent aller Beratungsgespräche sei dagegen behauptet worden, dass die Wirkung von Homöopathie entweder in Studien nachgewiesen sei oder sich aus dem Erfahrungswissen ergebe. Dies widerspreche den Leitlinien der Bundesapothekerkammer, wonach die Beurteilung der Wirksamkeit von Präparaten nach pharmakologisch-toxikologischen Kriterien erfolgen soll. Auf der anderen Seite habe die große Mehrheit der Apotheken zu schulmedizinischen Präparaten geraten. Nur 14 von 100 Apotheken nannten Homöopathika als Erstempfehlung. (dh)

 

10.08.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Schlierner