Hitzewelle: Der Niere zuliebe auf Cola verzichten |

Bei der momentanen Hitzewelle sollte auf eine ausreichende Trinkmenge und Mineralienzufuhr geachtet werden. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) hin. Bei den derzeitigen Temperaturen kommt man sogar ins Schwitzen, ohne dass man sich körperlich betätigt, und verliert in der Folge mehr Flüssigkeit als gewöhnlich. Eine Trinkmenge von 1,5 bis 2 Liter am Tag benötigt der menschliche Körper normalerweise, viele Menschen, gerade auch ältere, liegen aber deutlich darunter. «In den letzten Tagen haben wir in den Kliniken viele dehydrierungsbedingte Notfälle gesehen – wie Kreislaufprobleme, Herzrasen und auch akute Nierenversagen», erklärt Professor Dr. Jan C. Galle, Pressesprecher der DGfN.
Zu den Warnzeichen, dass zu wenig getrunken wurde, gehören, wenn man deutlich seltener und weniger Wasserlassen muss als sonst, wenn der Urin sehr dunkel ist, wenn die Haut und Schleimhäute trocken sind, wenn es zu Schwindel oder Herzrasen kommt oder wenn es zur raschen, sonst nicht erklärbaren Gewichtsabnahme kommt.
«Neben der ausreichenden Flüssigkeitszufuhr sollte auf eine ausreichende Mineralstoffzufuhr geachtet werden, denn man schwitzt auch wertvolle Mineralien aus. Leitungswasser, das mit Kohlensäure versetzt wird oder sogenannte Tafelwasser enthalten relativ wenige Mineralstoffe. Besser sind Mineralwasser – und ab und zu eine Apfelsaftschorle oder ein alkoholfreies Bier», so Galle.
Von mit Zucker versetzten Limonaden rät er grundsätzlich ab, bei Patienten mit vorgeschädigten Nieren außerdem von Cola. «Hier wird neben dem Zucker ein zweites `Gift´ zugeführt. Bei Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung führt Cola zum Anstieg von Phosphat im Blut und das wiederum kann die Nierenerkrankung beschleunigen. Da viele Menschen von ihrer leichtgradigen Nierenkrankheit nichts wissen, riskieren sie, ohne es zu ahnen, ihre Nierengesundheit, wenn sie viel Cola trinken.»
Wer eine Dehydrierung vermeiden möchte und nun denkt, je mehr trinken, desto besser, ist allerdings auf dem Holzweg. Bei Patienten mit Herz- oder Nierenerkrankungen sind Volumenüberladungen in der Regel eher nachteilig. Auch die Meinung, wer besonders viel trinke, spüle die Nieren und schütze sie, ist eine Mär. Eine randomisiert kontrollierte Studie an neun kanadischen Zentren mit 630 Patienten mit chronischer Nierenerkrankung zeigte, dass die Trinkmengen-Erhöhung um täglich 1 bis 1,5 Liter über zwölf Monate zu keinen Unterschieden gegenüber der Kontrollgruppe (Beibehaltung der bisherigen Trinkmenge) hinsichtlich Nierenfunktion (sogenannte GFR), Eiweißausscheidung sowie dem Wohlbefinden führte («JAMA», 2018).
Zusammenfassend sollten sich Gesunde bezüglich der Trinkmengen also an die Empfehlung 1,5 bis 2 Liter bei Normaltemperaturen, 2 bis 3 Liter bei Hitze orientieren. Herz- oder Nierenkranke sollten mit ihrem Arzt sprechen, eine allgemeine Empfehlung kann für sie nicht gegeben werden. (ch)
DOI: 10.1001/jama.2018.4930
03.08.2018 l PZ
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