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Studie: Krawatten behindern Hirndurchblutung

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Das Tragen einer eng geschnürten Krawatte behindert signifikant die Durchblutung des Gehirns. Was Dresscode-gestresste Herren längst geahnt haben, belegt nun eine Studie von Forschern der Uniklinik Kiel, die junge Männer mit oder ohne Schlips per Magnetresonanztomografie (MRT) untersuchten. Im Fachjournal «Neuroradiology» sprechen die Autoren um Robin Lüddecke angesichts des Ergebnisses von «sozial erwünschter Strangulation» und verweisen erfreut auf eine andere Studie, der zufolge Patienten heutzutage nicht mehr erwarten, dass männliche Ärzte Krawatten tragen.

 

Im Rahmen der Kieler Studie waren 15 gesunde Freiwillige aufgefordert, sich eine Krawatte mit einem Windsorknoten zu binden, und zwar so fest, dass sie sich damit etwas unwohl fühlten. Vor dem Tragen der Krawatte, währenddessen und direkt danach wurden drei je 15-minütige MRT-Scans der Gehirne der Probanden angefertigt. Als Vergleich dienten 15 andere junge Männer, die auch dreimal hintereinander gescannt wurden, aber immer mit offenem Kragen.

 

Die Hirndurchblutung war nach dem Anlegen der Krawatte um durchschnittlich 7,5 Prozent geringer als davor und sank bis zur dritten Messung um weitere 5,7 Prozent ab. In der schlipslosen Gruppe änderte sich die Hirndurchblutung dagegen bei den drei Messungen nicht. Als Grund für diesen Effekt vermuten die Autoren eine Kompression der Halsvenen durch die Krawatte: Durch den verminderten Blutabfluss aus dem Kopf sei der Schädelinnendruck gestiegen, was wiederum die Durchblutung des Denkorgans behindere.

 

Der Rückgang der Hirndurchblutung war zwar statistisch signifikant, blieb aber innerhalb der physiologischen Grenzen. Nur bei fünf Probanden kam es zu einem Absinken um 10 Prozent oder mehr. Die Autoren fordern weitere Studien, um die klinische Bedeutung des Phänomens zu untersuchen. So könnten etwa ältere Männer, starke Raucher oder Patienten mit Gefäßkrankheiten stärker unter den Auswirkungen leiden als die Teilnehmer dieser Studie. (am)

 

DOI: 10.1007/s00234-018-2048-7

 

10.07.2018 l PZ

Foto: Fotolia/wernerimages