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Medikamente: Was Gewässer schädigt, soll teurer werden

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Arzneimittel, deren Rückstände Gewässer schädigen, sollen möglicherweise teurer werden. Das Umweltbundesamt (UBA) prüft derzeit, Hersteller, Verkäufer und Anwender bestimmter Medikamente an den hohen Kosten für die Gewässerreinigung zu beteiligen. Schon 2013 hieß es in einem Beschluss der Umweltministerkonferenz, man werde «erarbeiten, wie Hersteller angemessen an den Kosten beteiligt werden können».

 

Das ist nun geschehen. Ein Forscherteam um den Ökonom Professor Erik Gawel von der Universität Leipzig hat im Auftrag des UBA untersucht, ob und wie man Arzneimittel verteuern könnte, um so die Kosten für die Gewässeraufbereitung wieder einzuspielen. Dabei geht es nicht nur um Mehrkosten für Hersteller, sondern auch für Anwender von Medikamenten mit gewässerproblematischen Inhaltsstoffen.

 

Die Autoren des Gutachtens kommen zu dem Schluss, dass ein Kostenzuschlag auf diese Präparate grundsätzlich sinnvoll wäre, entweder auf Stufe der Hersteller und Importeure oder auf Stufe des Handels (Apotheken, Großhandel und Tierärzte). Er dürfe aber nur für tatsächlich gewässerproblematische Stoffe gelten.

 

Würde man das Geld bei den Herstellern einholen, müsse man darauf achten, dass der Zuschlag auch auf importierte Mittel addiert werde, heißt es in dem Gutachten. Exportierte Medikamente müssten davon ausgenommen werden, um Wettbewerbsnachteile für deutsche Firmen zu verhindern. Vorteil dieser Variante sei, dass sie die Hersteller anrege, die Zusammensetzung ihrer Produkte zu überdenken. Nachteilig sei jedoch, dass die Firmen die Kosten leicht ausgleichen oder auf die Krankenkassen umlenken könnten, so die Autoren weiter.

 

Holt man den Abschlag dagegen erst beim Kauf des Medikaments ein, muss man nach Ansicht der Wissenschaftler einige Dinge beachten. Im Bereich Tierarzneimittel könne der Zuschlag durchaus dazu führen, dass Landwirte die Medikamentengabe überdenken, um Kosten zu sparen. Bei den Humanarzneimitteln ist das Ganze den Autoren zufolge schwieriger. Einen Zuschlag auf Rx-Arzneien würde letztendlich bei den Krankenkassen und somit der Versichertengemeinschaft landen, was ungerecht sei und das Verhalten der Anwender nicht beeinflusse, erklären sie. Dennoch hält Ökonom Gawel einen symbolischen Zuschlag auf Rx-Medikamente für sinnvoll. «Der Beitrag könnte mit etwa 50 Cent durchaus klein sein», erklärt er. Das schaffe beim Verbraucher ein Bewusstsein für das Thema Gewässerschädigung.

 

Im Bereich OTC dagegen könne die Zusatzabgabe dagegen wirkungsvoll dazu führen, dass Anwender Alternativen zu Produkten mit gewässerschädigenden Wirkstoffen suchen, so die Autoren. Dafür müsse für den Käufer aber stets erkennbar sein, warum er den Aufschlag zahlen soll, was in diesem Fall die Apotheker kommunizieren müssten. Generell plädieren die Autoren auch für deutlich erkennbare Hinweise auf den Verpackungen.

 

Die finanzielle Mehrbelastung der Patienten sehen die Autoren des Gutachtens unkritisch. Die Zuschläge seien sozialverträglich, erklären sie. Schließlich seien Ausgaben für Medikamentenzuzahlungen für Versicherte gedeckelt, etwa durch die Zuzahlungsgrenze von maximal 2 Prozent des Bruttoeinkommens. «Die Sozialverträglichkeit würde auch durch eine weitere Zuzahlung nicht in Frage gestellt werden», heißt es in dem Papier.

 

Das UBA will das Gutachten nun nutzen, um die Diskussion um eine mögliche Arzneimittel-Zusatzabgabe zu vertiefen. Mit dem eingenommenen Geld will man unter anderem Kläranlagen mit einer sogenannten vierten Reinigungsstufe finanzieren. Diese Anlagen können durch Verfahren wie Ozonierung, Membranfiltration oder Aktivkohlefiltration auch jene Mikroschadstoffe aus dem Wasser filtern, die herkömmliche Großkläranlagen nicht entfernen können. (ap)

 

12.07.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Jochen Seelhammer