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Cannabis: Einsatz als Krebsmittel denkbar

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Cannabis oder einzelne Cannabinoide könnten möglicherweise an verschiedenen Stellen die Behandlung von Krebspatienten unterstützen. Professor Dr. Burkhard Hinz und Dr. Robert Ramer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Rostock beschreiben in einem Übersichtsartikel im «British Journal of Pharmacology» diverse Wirkungen von Cannabinoiden, die für die Onkologie interessant sind. Dazu gehören Effekte auf die Proliferation, Neovaskularisation, Invasion und Chemoresistenz von Tumoren, die Apoptose und Autophagozytose ebenso wie die Immunreaktion auf den Krebs.

 

Ein limitierender Faktor für den klinischen Einsatz von Cannabinoiden sei allerdings deren psychoaktive Wirkung, so die Autoren. Hinzu komme eine mögliche Leberschädigung, die wohl hauptsächlich durch die Aktivierung von CB1-Rezeptoren vermittelt werde. Cannabis-Inhaltsstoffe ohne psychoaktiven Effekt, wie Cannabidiol (CBD), seien daher für die Forschung besonders interessant. Dasselbe gelte für CB2-Rezeptor-Agonisten, da sie im Gegensatz zu CB1-Rezeptor-Agonisten antifibrotische Effekte an der Leber gezeigt hätten.

 

Cannabinoide können auch die Nebenwirkungen einer Chemotherapie abmildern. Zugelassen ist das vollsynthetische Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) Nabilon (Canemes®) gegen Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen. Laut Hinz und Ramer konnten darüber hinaus in Studien schon positive Wirkungen auf Chemotherapie-induzierte periphere Neuropathie sowie die Nephrotoxizität von Cisplatin gezeigt werden. Zudem fungierten Cannabinoide Forschungsergebnissen zufolge als Wirkverstärker von diversen Zytostatika, berichten die Autoren.

 

Alles in allem böten sich somit viele potenzielle Einsatzbereiche für Cannabinoide in der Krebstherapie. Diese gelte es, möglichst rasch in klinischen Studien zu testen. Vor dem Hintergrund der neuen Gesetzgebung zu Cannabis, die seit März 2017 in Deutschland die Abgabe auf Rezept zu medizinischen Zwecken erlaubt, müssten Wissenschaftler jetzt schnell saubere Daten zu Nutzen und Risiken sammeln. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass nichtwissenschaftliche Medien ihre eigenen «Fakten» schaffen. (am)

 

DOI: 10.1111/bph.14426

 

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19.07.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Bogdanski