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Migräne: Medikamente als Trigger

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Auch Arzneimittel können Migräneattacken auslösen. Gerade bei älteren Personen, die als Jugendliche Migräne hatten und nach Jahren der Ruhe wieder Attacken entwickeln, sollte man an diese Möglichkeit denken. Darauf wies Privatdozent Dr. Rolf Malessa vom Sophien- und Hufeland-Klinikum in Weimar vergangene Woche bei der zentralen Fortbildungsveranstaltung der Landesapothekerkammer Thüringen in Weimar hin.

 

«In solchen Fällen schauen wir zuerst nach den Blutdruckmedikamenten», sagte der Mediziner. Typische Fragen lauten: Wurde der Patient neu eingestellt? Gab es einen Wechsel in der Medikation? Wirkstoffe wie Nitrate, Amlodipin, Ramipril, andere Gefäßdilatatoren und auch Protonenpumpeninhibitoren sind häufig Auslöser von Attacken. Nitrate seien hier so potent, dass sie sogar in Studien eingesetzt werden, um eine Attacke zu induzieren, so Malessa.

 

Auch andere Substanzen wie die α-Blocker Tamsulosin und Alfuzosin erweitern die Gefäße und können so eine Attacke hervorrufen. Der Hintergrund hierzu: «Die Kopfschmerzen bei der Migräne entstehen an den Meningen», erklärte Malessa. Die Hirnhäute sind sehr dicht mit Gefäßen versorgt. In der Attacke werden die Gefäße geweitet und reizen durch die Ausdehnung die Nerven, weshalb auch körperliche Anstrengung die Symptomatik verschlechtert. Über andere Mechanismen können Substanzen wie Levodopa, Atenolol, nicht steroidale Antirheumatika und auch Theophyllin als Trigger wirken.

 

Bei Sexualhormonen etwa in oralen Kontrazeptiva sei zu beachten, dass sowohl die Gabe als auch das Absetzen – also eine Veränderung des Hormonstatus – eine Attacke triggern können. Andere Substanzen wie Metoprolol und Sartane und haben eine migräneprophylaktische Wirkung, berichtete Malessa. Werden die Substanzen abgesetzt, geht dem Patienten quasi eine Prophylaxe verloren und Attacken können auftreten.

 

Der Arzt riet, dass bei älteren Patienten (über 60 Jahre), die von wieder aufgetretenen Migräneattacken vor allem mit neurologischen Begleiterscheinungen wie Visusstörungen berichten, abgeklärt werden sollte, ob die Medikation dahinterstecken könnte. Bei entsprechenden Beschwerden sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen.

 

Die klassischen Auslöser von Migräneattacken sind Änderungen im Lebensrhythmus, etwa im Schlaf-Wach-Rhythmus (Schlafstörungen, langes Ausschlafen) oder in der Nahrungsaufnahme (Diäten oder zu wenig trinken). Auch Stress- oder Poststress-Situationen können als Trigger wirken wie auch der Konsum von Alkohol, Zitrusfrüchten, Fisch, Glutamat oder Käse. In manchen Fällen können Attacken auch durch körperliche Anstrengung ausgelöst werden. (ch)

 

13.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/psdesign