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Antiseptika: Resistenzgefahr bei Chlorhexidin und Co.

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Die Entwicklung von Resistenzen gegen Antibiotika ist ein viel diskutiertes Problem. Weniger beachtet wird die Tatsache, dass auch der unkritische Einsatz von Antiseptika wie Chlorhexidin und Octenidin zu Resistenz oder Toleranz führen kann. «Dass solche Resistenzen entstehen können, haben einige Studien in den vergangenen Jahren gezeigt», sagte Professor Dr. Simone Scheithauer vom Universitätsklinikum Göttingen am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Köln.

Forschern war es gelungen, Klebsiella pneumoniae und Vancomycin-resistente Enterokokken unter Laborbedingungen resistent gegenüber Chlorhexidin zu machen. Besonders beunruhigend sei die Tatsache, dass man in einigen Untersuchungen auch Unempfindlichkeiten gegenüber wichtigen Reserveantibiotika wie Colistin und Daptomycin beobachten konnte, betonte Scheithauer, die in Göttingen die Zentralabteilung Krankenhaushygiene und Infektiologie leitet.

Antiseptika sollten daher keinesfalls unkritisch eingesetzt werden. «Ein nicht zielgerichteter, nicht indizierter Antiseptika-Einsatz soll unbedingt vermieden werden», so Scheithauer. Nicht gerechtfertigt sei es etwa, wenn Altenheim-Bewohner vorbeugend mit Chlorhexidin gewaschen werden. Auch ein übertriebener Einsatz von Antiseptika in der häuslichen Umgebung sei kritisch zu betrachten. «Eine zu häufige Hautdesinfektion verändert die Haut-Mikrobiota. Wohin das führt, können wir noch nicht genau sagen», so die Medizinerin.

Im Krankenhaus sollte der Einsatz nach einem gestaffelten Schema erfolgen, erläuterte sie. So gibt es Basismaßnahmen, die die Rate von Infektionen mit Krankenhauskeimen nachweislich reduzieren. Dazu zählen die Händedesinfektion, aseptische Techniken bei der Gabe von Infusionen und beim Verbandswechsel sowie die Hautdesinfektion vor der Anlage eines Katheters und vor einer Operation. «Nur wenn individuelle Risikofaktoren des Patienten es erfordern, in einer Ausbruchssituation oder auch wenn es in einer Abteilung besonders hohe Infektionsraten gibt, sollten diese Basismaßnahmen ergänzt werden», betonte Scheithauer.

Die Medizinerin illustrierte am Beispiel der Hautdesinfektion vor Anlage eines Gefäßkatheters, wie eine sinnvolle, evidenzbasierte Hygiene-Staffelung aussehen kann. Traditionell sei die Hautdesinfektion vor der Katheteranlage immer mit einem rasch wirksamen alkoholischen Desinfektionsmittel, teilweise in Kombination mit PVP-Jod, durchgeführt worden. «2015 hat eine Untersuchung gezeigt, dass die Kombination eines alkoholischen Antiseptikums mit einem remanenten, also länger wirksamen Antiseptikum wie Chlorhexidin überlegen ist. Mit Chlorhexidin konnte die Rate katheterinduzierter Sepsen deutlich gesenkt werden», so Scheithauer. Auch die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut (KRINKO) empfiehlt daher mittlerweile den Einsatz der entsprechenden Kombination.

Bei besonders vulnerablen Patienten und bei hohen Infektionsraten auf der Station empfiehlt die KRINKO zusätzlich die Verwendung imprägnierter antiseptischer Folienverbände. Die nächste höhere Hygiene-Stufe sieht antiseptische Ganzkörperwaschungen vor. Nur im Einzelfall sollten bei ausgewählten Patienten zudem speziell beschichtete Katheter zum Einsatz kommen. «Wichtig ist: Alle Zusatzmaßnahmen müssen begründet werden, und ihr Einsatz sollte immer kritisch hinterfragt werden», betonte Scheithauer. (va)

DOI: 10.1128/AAC.01162-16
DOI: 10.1128/AAC.01235-17
DOI: 10.1016/S0140-6736(15)00244-5

 

22.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Robert Kneschke