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Langzeitblutzucker: Auch für Gesunde ein Prognosefaktor

Das glykylierte Hämoglobin HbA1c eignet sich nicht nur zur Prognose von Spätschäden bei Patienten mit Diabetes mellitus, sondern auch für stoffwechselgesunde Menschen. „Die Bedeutung des HbA1c wird noch unterschätzt“, sagte Dr. Markus Zieglmeier, München, bei einer Fortbildung der Bayerischen Landesapothekerkammer in Nürnberg. Bei Gesunden könne man anhand des Werts das Risiko abschätzen, innerhalb von etwa 15 Jahren einen Diabetes mellitus Typ 2 oder eine koronare Herzerkrankung (KHK) zu entwickeln. Der Krankenhausapotheker verwies auf eine 2010 im New England Journal of Medicine publizierte Studie (DOI: 10.1056/NEJMoa0908359).

Demach steigt das Risiko für Diabetes bei einem HbA1c von 6,5 Prozent um den Faktor 4,5 und für die KHK um 1,7. Als Referenz mit dem Wert 1 wurde ein HbA1c von 5,0 bis 5,5 festgesetzt. Bei Gesunden sollte der Langzeitblutzucker möglichst unter 5,5 Prozent liegen.

Die Messung des HbA1c bei Gesunden ist heute zwar noch nicht etabliert, doch für Zieglmeier wäre dies „eine sinnvolle IGEL-Leistung“. Apotheken, die diesen Blutparameter bereits messen, könnten dies in Screening-Aktionen anbieten und bei Bedarf danach zum Beispiel eine Ernährungsberatung anschließen.

Der HbA1c ist das Reaktionsprodukt von Hämoglobin mit dem reduzierenden Zucker Glucose und spiegelt die Glykylierung aller Proteine des Gefäßendothels wider. Diese Reaktion sei verantwortlich für das vaskuläre Risiko, das langfristig mit zu hohen Blutglucosewerten einhergeht, erklärte der Apotheker. Der Wert korreliert mit dem Mittelwert des Blutzuckerspiegels in den letzten sechs bis acht Wochen, sagt aber nichts aus über die Streuung um diesen Mittelwert. Bei Diabetes-Patienten sollte der Messwert daher individuell ausgewertet werden.

Während junge Menschen mit Diabetes einen möglichst normnahen HbA1c erreichen sollten, dürfe man alte geriatrische Patienten nicht zu streng einstellen, mahnte Zieglmeier. Hier entstehe ein niedriger Wert häufig durch vermehrte, vor allem nächtliche Hypoglykämien. Damit steige das Sterberisiko der alten Menschen. Als möglichen Zielwert nannte der Referent 7 bis 7,5 Prozent. (bmg)

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07.05.2018 l PZ

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