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Cannabidiol: Wirksamkeit bei Epilepsie erneut belegt

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Eine Studie mit Kindern und Erwachsenen, die am Lennox-Gastaut-Syndrom leiden, hat erneut gezeigt, dass Cannabidiol bei dieser schweren Epilepsieform wirksam ist. In der doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 225 Patienten zeigte sich eine dosisabhängige Reduktion von Sturzanfällen durch den Cannabis-Inhaltsstoff. Diese Form der Anfälle zeichnet sich dadurch aus, dass der Muskeltonus entweder stark ansteigt oder abfällt – beides mit der Folge, dass der Patient stürzt. Beim Lennox-Gastaut-Syndrom kommt es häufig trotz medikamentöser Therapie zu solchen Anfällen, die ein enormes Verletzungspotenzial bergen.

Im Rahmen der vom Pharmaunternehmen GW Pharmaceuticals gesponserten Studie bekamen die Patienten über 14 Tage zusätzlich zu ihrer vorhandenen antiepileptischen Medikation täglich oral entweder 20 mg Cannabidiol pro kg Körpergewicht, 10 mg Cannabidiol pro kg Körpergewicht oder Placebo. Vor der Therapie war es innerhalb von 28 Tagen im Median zu 85 Sturzanfällen gekommen. Unter der Therapie sank die Häufigkeit von Sturzanfällen um 41,9 Prozent in der 20-mg-Gruppe, 37,2 Prozent in der 10-mg-Gruppe und 17,2 Prozent in der Placebogruppe. Auch Anfälle ohne Stürze wurden seltener, nämlich um 38,4, 36,4 beziehungsweise 18,5 Prozent (20 mg, 10 mg beziehungsweise Placebo).

 

Die häufigsten Nebenwirkungen unter Cannabidiol waren Schläfrigkeit, Appetitminderung und Durchfall. Auch wurde häufiger als unter Placebo ein Anstieg der Leberenzyme beobachtet, schreiben die Autoren um Dr. Orrin Devinsky von der New York University im Fachjournal «New England Journal of Medicine«.

Die Studie trägt dazu bei, dass die Evidenz für die Wirksamkeit von Cannabidiol bei schweren Epilepsieformen weiter wächst. Allein 2018 hatten schon zwei andere Publikationen diesen Zusammenhang belegt, eine davon ebenfalls bei Lennox-Gastaut-Syndrom und eine allgemein bei seltenen und schweren Epilepsieformen. (am)

DOI: 10.1056/NEJMoa1714631

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17.05.2018 l PZ

Foto: Fotolia/shidlovski