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Indien: Illegale Antibiotika verschärfen Resistenzproblem

In Indien sind zahlreiche illegale Antibiotika im Umlauf, die den Anstieg von resistenten Erregern fördern. Das geht aus einer Untersuchung der Queen Mary University of London (QMUL) hervor, die vergangene Woche im Fachjournal «British Journal of Clinical Pharmacology» erschienen ist.

 

Die Forscher verglichen, wie viele und welche Antibiotika in den Jahren 2007 bis 2012 in Indien, den USA und Großbritannien verkauft wurden. Sie zogen dafür sowohl offizielle Behördenangaben als auch Verkaufsdaten heran. Die Untersuchung ergab: In Indien werden Antibiotika überdurchschnittlich häufig als Kombinationspräparate verkauft. In dem asiatischen Land sind 86 antibiotische Einzelpräparate, aber 118 Kombinationen auf dem Markt. Diese Mittel werden mit schneller Resistenzentwicklung in Verbindung gebracht. Zum Vergleich: In den USA und Großbritannien sind nur insgesamt fünf solcher Kombinationen auf dem Markt.

 

Und das ist nicht alles: Die Studienautoren fanden heraus, dass nur 43 der 118 indischen Kombipräparate überhaupt von der indischen Arzneimittel-Kontrollbehörde Central Drugs Standard Control Organisation (CDSCO) zugelassen wurden. Die restlichen 75 werden illegal ohne Marktzulassung verkauft. Viele dieser Mittel enthielten ungünstige Wirkstoffkombinationen, die Resistenzen weiter verschärfen könnten, teilte die QMUL mit. Mehr als 300 Millionen Einheiten (Units) solcher illegalen Medikamente wurden laut Studie in den Jahren 2011 und 2012 an Patienten abgegeben. Dabei zählen die Autoren einen Blister, eine Flasche oder eine Injektion als eine Einheit.

 

In keinem Land der Welt würden die Menschen so viele Antibiotika einnehmen wie in Indien, schreiben die Autoren. Mehr als 2,58 Milliarden Einheiten waren es 2011 und 2012. Das sind 26 Prozent mehr als in den Jahren 2007 und 2008. Der Verbrauch von Kombinationspräparaten sei in diesem Zeitraum sogar um 38 Prozent gestiegen. Auch gebe es weltweit nirgendwo so viele Fälle resistenter Erreger wie in Indien.

 

Besonders bitter: 53 der 118 kritischen Kombi-Präparate werden von multinationalen Konzernen hergestellt, 16 davon sind ohne CDSCO-Zulassung illegal im Umlauf. «Wieso stellen diese Unternehmen Medikamente her, die in ihrem eigenen Land nicht zugelassen sind und in vielen Fällen auch nicht in Indien?», so Studienautorin Patricia McGettigan. Ihre Kollegin Allyson Pollock rief die Konzerne auf, ihr Handeln zu hinterfragen. Als Ergebnis ihrer Studie fordern die Autoren ein Verkaufsverbot für nicht zugelassene Antibiotika in Indien. (ap)

 

DOI: 10.1111/bcp.13503

 

06.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Stuart