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Telemedizin: Modellprojekt erprobt Fernbehandlung

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Ärzte in Baden-Württemberg testen demnächst die Fernbehandlung per Internet. Voraussichtlich ab April können sich Kassenpatienten in den Modellregion Tuttlingen und Stuttgart ohne vorherigen persönlichen Arztkontakt ausschließlich per Videotelefonie oder Telefon behandeln lassen.

 

Das Modellprojekt Doc Direkt der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) wurde im Dezember 2017 von der Landesärztekammer genehmigt und ist zunächst auf zwei Jahre angelegt. Es umgeht das im E-Health-Gesetz geregelte Fernbehandlungsverbot. Dieses legt fest, dass vor einer Online-Behandlung ein persönlicher Arzt-Patientenkontakt erfolgt sein muss. Durch eine Änderung der ärztlichen Berufsordnung in Baden-Württemberg ist es dort seit einiger Zeit möglich, die Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten zu testen. 

 

Ziel von Doc Direkt ist es laut KVBW, die ambulante medizinische Versorgung sicherzustellen. Gerade in ländlichen Gebieten ist der nächste Arzt oft weit entfernt. Die wenigen Arztpraxen vor Ort sind zudem oft überfüllt. Würden leichte medizinische Fälle künftig telemedizinisch behandelt, könnte dies die Ärzte entlasten. Grundsätzlich soll das Projekt die Effektivität und Qualität der telemedizinischen Beratung und Behandlung belegen.

 

Wie viele Ärzte an dem Projekt teilnehmen werden, ist noch offen, so ein Sprecher der KVBW auf Anfrage der Pharmazeutischen Zeitung. Hier wird es zwei Gruppen geben: Die eine Gruppe bilden die telemedizinisch behandelnden Ärzte, die andere besteht aus Ärzten, an die telemedizinisch diagnostizierte Akut-Fälle bei Bedarf überwiesen werden können. Diese Mediziner garantieren eine persönliche Behandlung noch am selben Tag, erläutert der Sprecher.

 

Was die Patienten betrifft, so können alle gesetzlich Versicherten aus der Modellregion das Angebot nutzen. Privatpatienten können nicht teilnehmen. Sollte sich das Projekt bewähren, könnte es in die Regelversorgung überführt werden. (et)

 

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24.01.2018 l PZ

Foto: Fotolia/apops