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Epilepsie: Cannabidiol reduziert Anfallhäufigkeit

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Der Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol (CBD) kann in Kombination mit anderen antiepileptischen Therapien die Anfallshäufigkeit bei Patienten mit bislang therapieresistentem Lennox-Gastaut-Syndrom reduzieren: So das Ergebnis einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie, die jetzt im Fachjournal «The Lancet» erschienen ist. Das Lennox-Gastaut-Syndrom macht etwa 1 bis 4 Prozent der Epilepsie-Erkrankungen bei Kindern aus. Die Patienten leiden lebenslang unter schweren epileptischen Anfällen, was die kognitiven Funktionen beeinträchtigen kann. Nur 10 Prozent der Betroffenen erreichen mit den bestehenden Möglichkeiten wie verschiedenen Medikamenten, ketogener Diät, Nervenstimulation und Hirnchirurgie Anfallsfreiheit.

 

An der 14-wöchigen Studie nahmen 171 Patienten im Alter von 2 bis 55 Jahren teil, die in den sechs Vormonaten mehrmals unterschiedliche Anfälle erlitten hatten, darunter mindestens zwei mit Stürzen. Alle galten als hochgradig therapieresistent, da sie zuvor auf mindestens sechs antikonvulsive Arzneistoffe nicht angesprochen hatten. Sie bekamen nun neben ihrer üblichen Behandlung einmal täglich 20 mg Cannabidiol (Epidiolex) pro Kilogramm Körpergewicht in pharmazeutischer Formulierung von GW Pharmaceuticals oder Placebo. Die Rate der Anfälle mit Sturzfolge reduzierte sich unter dem Cannabinoid von zuvor 71,4 pro Monat auf 31,4 pro Monat, unter Placebo von 74,7 auf 56,3 Stürze pro Monat – eine relative Risikoreduktion um 43,9 Prozent. Auch andere Anfallsarten traten deutlich seltener auf: In der CBD-Gruppe sank die Zahl der Anfälle pro Monat von 144,6 auf 83,8; eine Reduktion um 41,2 Prozent gegenüber 13,7 Prozent in der Placebo-Gruppe (von 176,6 auf 128,7 Anfälle pro Monat).

 

62 Prozent der Patienten unter CBD berichteten von Nebenwirkungen im Vergleich zu 34 Prozent unter Placebo. Es traten vor allem Durchfall, Benommenheit, Fieber, verminderter Appetit und Erbrechen auf. 20 Patienten der Verum-Gruppe erlitten eine schwere Nebenwirkung, die meisten von ihnen eine Erhöhung der Leberenzyme. Bei 61 Prozent der CBD-Probanden und 64 Prozent der Teilnehmer unter Placebo verschwanden die unerwünschten Wirkungen im Laufe der Studie; allerdings brachen 12 von 86 Patienten unter Verum und ein Patient unter Placebo die Studie frühzeitig aufgrund von Nebenwirkungen ab. Ein Hinweis auf Missbrauch des Arzneimittels wurde bei keinem Probanden festgestellt.

 

Die Langzeit-Wirksamkeit und Sicherheit des pharmazeutischen Produkts wird nun als Open-Label-Studie, also ohne Verblindung weitergeführt. Auch unterschiedliche Dosierungen sowie mögliche Interaktionen mit anderen antikonvulsiven Medikamenten, insbesondere Clobazam, müssten noch weiter untersucht werden, schreiben die Forscher um Dr. Elizabeth Thiele vom Massachusetts General Hospital in den USA. «Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Gebrauch von Cannabidiol als Add-on-Therapie zu anderen Antiepileptika die Häufigkeit von Anfällen mit Stürzen bei Patienten mit Lennox-Gastaut-Syndrom deutlich reduzieren könnte», so Thiele in einer Pressemitteilung. «Das sind gute Neuigkeiten für diese Patienten, die häufig nicht auf eine Behandlung ansprechen.» Thiele betonte, dass es sich in der Studie um eine pharmazeutische Formulierung und damit reproduzierbare Applikationsform und nicht um medizinisches Marihuana handle. (dh)

 

DOI: 10.1016/S0140-6736(18)30135-1

 

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25.01.2018 l PZ

Foto: GW Pharmaceuticals