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Videochat statt Wartezimmer: Möglich, aber kaum genutzt

 

Video-Sprechstunden sind technisch und rechtlich möglich, werden in Hessen jedoch kaum genutzt. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Schon 2016 haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband über die technischen Anforderungen für Praxen und Videodienstleister geeinigt. Ärzte müssten nun vor der Video-Sprechstunde nur eine schriftliche Einwilligung einholen, das Gespräch nicht aufzeichnen und die Übertragung speziell verschlüsseln.

 

Seit Mitte dieses Jahres übernehmen zudem die Krankenkassen die Kosten für Video-Sprechstunden. Wie oft Ärzte und Patienten das seither genutzt haben, weiß aber derzeit niemand – bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen wurde das dritte Quartal noch nicht ausgewertet. KV-Sprecher Karl Matthias Roth geht davon aus, dass es nicht allzu viele sein werden. Video-Sprechstunden seien «eine sinnvolle Ergänzung», sagt er, aber «keine Lösung für den Ärztemangel auf dem Land».

 

Auch die Landesärztekammer Hessen findet Video-Sprechstunden gut, betont aber auch die Grenzen: «Video-Sprechstunden können unter anderem bei der Überwachung chronisch Kranker, bei Wundkontrollen oder Ersteinschätzung sinnvoll sein», sagt Ärztekammer-Präsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. Der Einsatz von Elektronik stehe durchaus «im Einklang mit der ärztlichen Berufsordnung».

 

Patienten ausschließlich aus der Ferne zu behandeln, sei dagegen laut Berufsordnung nicht erlaubt, betont die Kammer. «Wenn ein Arzt seine Patienten dagegen kennt und sie etwa bei leichten Erkrankungen oder Routinefällen telemedizinisch behandelt, dann sind die bequemen, schnellen und effizienten Informations- und Kommunikationsprozesse ausdrücklich zu begrüßen.» Auch der Ärztepräsident geht davon aus, «dass diese Angebote weiter zunehmen».

 

Woran es liegen könnte, dass das bisher nicht der Fall ist – Susanne Mauersberg vom Verbraucherzentrale Bundesverband hat die Mediziner im Verdacht. «Die Ärzte setzen das nur zäh um», sagt die Gesundheitsexpertin. «Dabei ist das eine sehr innovative, sehr wichtige Geschichte.» Die Verbraucherzentrale ermutigt Patienten, gezielt nachzufragen «und dabei dem Arzt gegenüber offensiver aufzutreten». Patienten sollten daher von ihren Ärzten Videosprechstunden einfordern.

 

Der Wunsch der Patienten ist jedenfalls da, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Laut einer repräsentativen Befragung von 2015 wollten 45 Prozent eine Video-Sprechstunde bei ihrem Haus- oder Facharzt zumindest gelegentlich nutzen. Die Autoren der Studie sahen auch keinen Qualitätsverlust: «Video-Konsultationen sind bei vielen Indikationen und Anlässen genauso gut wie ein Praxisbesuch.»

 

An der Technik müsse es nicht scheitern, sagte Mauersberg. Mit Hilfe von Online-Portalen wie «Patientus» könnte jeder Arzt die Technik problemlos installieren und die Kommunikation datensicher abwickeln. Die Verbraucherzentale hat mit solchen Portal «nur positive Erfahrungen gemacht». Die Expertin warnte warnt aber vor Anbietern mit Sitz im Ausland.

 

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13.11.2017 l dpa

Foto: Fotolia/apops