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PPI: Langzeiteinnahme verdoppelt Magenkrebsrisiko

Die langfristige Einnahme von Protonen-Pumpen-Inhibitoren (PPI) ist mit einem erhöhten Risiko für Magenkrebs assoziiert. Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler von der Universität Hongkong aus einer retrospektiven Analyse der Daten von 63.397 Erwachsenen, die wegen einer Helicobacter-pylori-Infektion mit einer Triple-Therapie aus PPI und zwei Antibiotika behandelt worden waren. 3271 Patienten (5 Prozent) nahmen danach weiter einen PPI ein, im Schnitt über fast drei Jahre. 21.729 Patienten nahmen stattdessen einen H2-Blocker, der die Magensäureproduktion über einen anderen Mechanismus dämpft.

Helicobacter pylori selbst gilt als großer Risikofaktor für die Entwicklung von Magenkrebs, die siebentägige Eradikationstherapie senkt das Risiko wieder. Die weitere PPI-Einnahme war assoziiert mit einem 2,44-fach erhöhten Magenkrebsrisiko, während H2-Blocker das Risiko für Magenkarzinome nicht erhöhten. Je häufiger und je länger die PPI eingenommen wurden, umso größer war das Krebsrisiko: Wer täglich einen PPI schluckte, erkrankte mit 4,55-facher Wahrscheinlichkeit an Magenkrebs. Bei der Einnahme über mindestens ein Jahr stieg das Risiko um mehr als das Fünffache, nach zwei Jahren  um mehr als das Sechsfache und nach drei Jahren um mehr als das Achtfache.

Zwar lassen Beobachtungsstudien wie diese keine Aussagen über Ursache und Wirkung zu, schreiben die Autoren um Dr. Wai Keung Leung im Fachjournal «Gut». Doch der klare dosis- und zeitabhängige Trend veranlasst sie zu der Warnung, dass Ärzte PPI nur mit Vorsicht langfristig verschreiben sollten, selbst nach einer erfolgreichen Helicobacter-Eradikation. Sie weisen darauf hin, dass PPI die Produktion von Gastrin, einem starkem Wachstumsfaktor stimulieren, was möglicherweise ein Tumorwachstum begünstigen kann. Generell gelten PPI aber weiterhin bei indikationsgerechter Anwendung allgemein als sicher. (dh)
 
DOI: 10.1136/gutjnl-2017-314605

 

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30.10.2017 l PZ

Foto: Fotolia/ag visuell