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Europäischer Depressionstag: «Reden wir drüber!»

 

Immer noch werden depressive Erkrankungen häufig nicht erkannt, verschwiegen oder stigmatisiert. Darauf machen zum Europäischen Depressionstag am 1. Oktober deutsche Vertreter der European Depression Association aufmerksam. Betroffen seien jedes Jahr 5,3 Millionen Menschen allein in Deutschland. «Wir müssen Bewusstsein und Aufmerksamkeit schaffen, damit die Erkrankung bei Betroffenen rechtzeitig erkannt wird. Das gelingt nur, wenn offen über Depressionen geredet wird und die Stigmatisierung bekämpft wird», erklärt Professor Dr. Detlef Dietrich, Ärztlicher Direktor der Burghof-Klinik in Rinteln, das diesjährige Motto «Depression: Reden wir drüber!».

Über Depressionen müsse man sprechen können wie über einen Knochenbruch oder eine Krebserkrankung. Erster Ansprechpartner sei der Hausarzt. Der Fachgesellschaft zufolge leiden im Schnitt 11 Prozent der Patienten, die Allgemeinmediziner aufsuchen, an einer depressiven Störung. «Hausärzte tragen daher eine große Verantwortung für die leitliniengerechte und patientenadäquate Koordinierung ihrer Anliegen», sagt Dr. Cornelia Goesmann, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Psychotherapie in Hannover. «Wichtig ist auch, dass die Betroffenen in der Familie, bei Freunden und eventuell auch am Arbeitsplatz über ihre Erkrankung sprechen.» Allerdings nur, wenn man den Personen vertrauen kann. Denn es koste sehr viel Energie, permanent zu versuchen, eine Depression zu verheimlichen.

«Depressionen sind auch heute noch mit vielen Vorurteilen behaftet. Sie gelten als Schwäche, die Symptome der Krankheit werden falsch interpretiert», erklärt Professor  Dr. Arno Deister, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Gut gemeinte Ratschläge wie «Du musst nur wollen!» oder «Wird schon wieder!» könnten dann oftmals das Gegenteil bewirken: «Die Betroffenen fühlen sich noch verzweifelter und mehr entwertet», so Deister.

Die Personen im Umfeld des Betroffenen sollten daher wissen, dass depressive Symptome nicht Ausdruck von Verweigerung, Unvermögen oder Nichtwollen sind. «Wer an einer Depression leidet, ist nicht bloß traurig und kann sich nicht einfach zusammennehmen», betont der Experte. «Depressive brauchen professionelle Hilfe.» Mit Psychotherapie und Antidepressiva könne den Betroffenen in der Regel geholfen werden. Wichtig sei aber nicht nur der Austausch mit einem Therapeuten, sondern auch mit Partnern, Freunden und Bekannten. «Depressive Patienten sind in sich selbst eingeschlossen», so Deister. «Sie können nicht mehr fühlen, wie es ist, wenn man gesund ist.» Sie bräuchten die Perspektive des psychisch Gesunden, um ihre depressiven Symptome als krankhaft einordnen zu können. «Wenn Betroffene sich das klar machen, sind sie offen für Hilfe und können die Erfahrung machen, dass sich durch eine Behandlung etwas verändern kann.» (dh)

29.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Africa Studio