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Cannabis: Blüten rauchen ist keine Lösung

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Wann ist mit weiteren Fertigarzneimitteln auf Cannabis-Basis zu rechnen? Wenn sie aus bekannten Einzelsubstanzen wie Dronabinol bestehen, könnte relativ schnell eine vereinfachte Zulassung auf Basis eines well established use erfolgen, also der jahrelangen Erfahrung, die auf eine Unbedenklichkeit und Wirksamkeit schließen lassen. Das hat Professor Dr. Henning Blume, Pharmazeut, Unternehmer und Mitglied diverser Fachgesellschaften, bei einer Podiumsdiskussion bei der Pharmaworld im Rahmen der Expopharm vorgeschlagen. Cannabis sei keine unbekannte Pflanze aus dem tiefsten Regenwald, die komplett neu erforscht werden müsste, so Blume. Er wünsche sich, dass die Indikationsgebiete dann für alle Fertigarzneimittel vereinheitlicht werden. Die derzeit verfügbaren Fertigarzneimittel sind in unterschiedlichen Indikationen zugelassen: Sativex® zur Symptomverbesserung mittelschwerer bis schwerer Spastiken bei Multipler Sklerose und Canemes® bei chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen.

 

Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass die Anwendung von standardisierten, einfach dosierbaren Fertigarzneimitteln das Ziel in der Therapie mit Cannabis muss. «Als Pharmazeut würde ich lieber auf die Arzneidroge verzichten», sagte der Frankfurter Pharmazieprofessor Dr. Theo Dingermann. Insbesondere die inhalative Applikation von Cannabisblüten stuften Blume, Dingermann und auch Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, als problematisch ein. Bei Patienten mit chronischen Erkrankungen oder Schmerzen sei eine möglichst konstante, anhaltende Wirkung wünschenswert. Das sei nicht inhalativ, sondern mit einer oralen Gabe zu erreichen, so Blume.

 

Bisherige Erfahrungen zeigten, dass eine Umstellung von Patienten, die bislang Cannabis geraucht haben, auf eine orale Gabe in der Regel gut machbar ist, so Kiefer. Das ist nicht nur aus pharmazeutischer Sicht sinnvoll, sondern auch angesichts der derzeitigen Engpässe beim Import von medizinischem Cannabis. Problematisch sei es, wenn Patienten zuvor Cannabis in hohen Dosen konsumiert haben. Um bei ihnen eine therapeutische Wirkung zu erzielen, müsste Cannabis vom behandelnden Facharzt manchmal erst komplett abgesetzt werden, um es nach einer Auswaschphase langsam wieder einzuschleichen. (dh)

 

 

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14.09.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Atomazul