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Studie: Homo- und Bisexuelle sind oft besser gebildet

 

Die Lebenssituationen von Schwulen, Lesben und bisexuellen Menschen unterscheiden sich einer neuen Studie zufolge zum Teil erheblich von der von heterosexuellen. Demnach verfügen sie im Schnitt über einen höheren Bildungsabschluss, leben seltener in Partnerschaften und verlassen sich weniger auf ihre Familien. Zudem seien sie psychisch stärker belastet und neigten häufiger zu Depressionen, heißt es in dem Bericht, den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) heute in Berlin vorstellte.

 

26 Prozent der befragten Schwulen und Lesben gaben laut Studie an, einen Fachhochschulabschluss zu besitzen. Bei Heterosexuellen mit der gleichen Altersstruktur lag dieser Anteil lediglich bei 15 Prozent. Die Fachhochschulreife konnten 21 Prozent der LGBs vorweisen (Heterosexuelle: 15 Prozent). LGB ist das englische Kürzel für Menschen mit lesbischer, schwuler oder bisexueller Identität.

 

Ungeachtet dessen erhalten vor allem homosexuelle Männer im Schnitt einen deutlich niedrigeren Stundenlohn als heterosexuelle. Letztere bekommen einen realen Brutto-Stundenlohn von rund 18 Euro. Der entsprechende Stundenlohn von Schwulen liegt unter Berücksichtigung von Alter, Branche und Qualifikation rund 2,64 Euro darunter.

 

Für die Studie stützen sich die Autoren auf Daten des sogenannten Sozio-ökonomischen Panels, einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage, die das DIW einmal im Jahr deutschlandweit durchführt. Dabei wird neben dem Einkommen, dem Beruf, der Bildung und der Gesundheit auch die sexuelle Orientierung abgefragt. Die Studie beruht auf der Auswertung der Fragebögen von knapp 460 LGBs sowie mehr als 39.000 Heterosexuellen.

 

Dabei wird auch deutlich, dass LGBs mit ihrem Leben durchschnittlich weniger zufrieden sind als Heterosexuelle. Sie neigen häufiger zu psychischen Problemen und Depressionen. «Als ein Grund wird angenommen, dass LGBs aufgrund ihrer sexuellen Orientierung stigmatisiert und diskriminiert werden und dadurch chronischem Stress ausgesetzt sind», schreiben die Autoren.

 

Die Befunde der Studie bestätigen zudem eine weitere Erfahrung in der Szene, die der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland, Markus Ulrich, auf den Punkt brachte: «Gerade junge Lesben und Schwule müssen häufig erfahren, dass sie nicht immer auf ihre Familien zählen können.» Fast 60 Prozent der LGBs suchen sich der Studie zufolge Unterstützung bei Freunden. Bei heterosexuellen Menschen liegt dieser Anteil bei lediglich 46 Prozent. 72 Prozent hingegen verlassen sich lieber auf die Familie (LGBs: 61 Prozent).

 

Auch was die Formen des Zusammenlebens angeht, gibt es Unterschiede. So leben Menschen mit lesbischer, schwuler oder bisexueller Identität häufiger allein. 72 Prozent der befragten Homo- und Bisexuellen in einer Partnerschaft wohnen auch zusammen (Heterosexuelle: 84 Prozent). Dabei handelt es sich wiederum deutlich häufiger um Haushalte, in denen beide Partner verdienen.

 

Die Studie bemängelt, dass es bislang nur sehr wenige Daten über Schwule und Lesben gibt. «Zwar stellt die Gleichstellung Homosexueller in Deutschland ein seit langer Zeit viel diskutiertes Thema dar», heißt es. «Aber scheinbar so triviale Fakten wie die Gesamtzahl der in Deutschland lebenden LGBs basieren bestenfalls auf groben Schätzungen.» Das DIW geht demnach davon aus, dass derzeit knapp zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland homo- oder bisexuell sind.

 

Auch der Bundesverband der Schwulen und Lesben in Deutschland beklagt eine große Informationslücke. «Wir haben unzählige Umfragen, in denen gezielt nach Diskriminierung von Schwulen und Lesben gefragt wird», sagte Verbandssprecher Ulrich. «Aber über andere Aspekte wissen wir noch gar nichts, etwa was das Alltagsleben oder auch die Gesundheit von LGBs angeht.» In Deutschland sei die nun vorgelegte Studie deshalb eine der ersten dieser Art.

 

31.08.2017 l dpa

Foto: Fotolia/mbolina