Heiserkeit: Stimme nicht unter Druck setzen |

Heiserkeit tritt oft als Symptom eines viralen Infekts der oberen Luftwege auf. Wer jetzt nicht seine Stimme schont, kann sich eine ungünstige Sprechweise angewöhnen, die der Stimme dauerhaften Schaden zufügen kann. Davor warnte Beatrice Rathey-Pötzke, leitende Lehrlogopädin und Schulleiterin der IBAF-Schule für Logopädie in Kiel, bei einer Pressekonferenz von Pohl-Boskamp rund um die Stimme in Hamburg.
«Am besten sollte man, wenn es irgendwie möglich ist, einige Tage nicht sprechen», empfiehlt die Logopädin. «Wenn das nicht geht, sollte man die 1:1-Sitution suchen und leise sprechen, aber nicht flüstern.» Denn beim Flüstern verengt sich die Stimmritze zu sehr, die Reizung wird verstärkt. Auch Räuspern hilft nur kurzfristig, schadet aber langfristig. Rauchen und Alkohol sollten tabu sein.
Eine weitere wichtige Maßnahme sei, genug zu trinken. «Viele Patienten, die mit Stimmproblemen zu mir kommen, trinken zu wenig», berichtet der Hals-Nasen-Ohrenarzt Dr. Robin Banerjee, der neben seiner Praxistätigkeit die Sänger der International Opera Academy in Unna betreut. «Sängern und Musikern empfehle ich bei Heiserkeit auch, keine Musik zu hören, da die meisten unbewusst mitsummen.»
Beliebt bei Sängern sei eine Befeuchtung des Mund- und Rachenraums mit Lutschtabletten, Bonbons und Sprays. Das sei auch prophylaktisch möglich, wenn ein Auftritt bevorsteht, sagte Maximilian Traut, Apotheker aus Fulda und selbst aktiver Sänger. Produkte, die einen Schutzfilm auf den Schleimhäuten bilden, führten zu einem Glättegefühl, was die Betroffenen oft entspannt und damit auch der Stimme gut tut, ergänzt die Logopädin Rathey-Pötzke.
Zum Beispiel habe GeloRevoice von Veranstalter Pohl-Boskamp den Vorteil, einen länger anhaltenden Schutzfilm zu bilden als andere Präparate wie Salztabletten, Salbeibonbons oder Isländisch Moos, so Traut. Einer Anwendungsbeobachtung zufolge hielt die Wirkung bei knapp 60 Prozent der Teilnehmer eine Stunde oder länger an, hieß es bei der Veranstaltung.
Bessert sich die Heiserkeit nicht, sollte der Patient spätestens nach drei bis vier Wochen den Kehlkopf vom HNO-Arzt untersuchen lassen, rät Banerjee. Denn auch gutartige Stimmknoten, Infekte mit humanen Papillomaviren (HPV) oder bösartige Tumoren führen mitunter zu Heiserkeit. Je früher solche Gewebewucherungen entdeckt und behandelt werden, desto besser stehen die Chancen, dass die Stimmbänder keinen Schaden nehmen oder es zu noch stärkeren Einschränkungen wie Stimmverlust und Schluckproblemen kommt.
Vielen Patienten rät Banerjee auch zu einem Stimmtraining. Eine ernste Erkrankung würde schätzungsweise nur bei 5 Prozent der Patienten, die wegen Heiserkeit in seine Praxis kommen, dahinter stecken. (dh)
24.08.2017 l PZ
Foto: Pohl-Boskamp