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Antibiotika als OTC: Verboten und doch häufige Praxis

Etwa 7 Prozent aller Antibiotika zum Humangebrauch wurden im vergangenen Jahr in Europa ohne ärztliche Verschreibung eingenommen. Das ist ein Ergebnis des EU-geförderten Forschungsprojekts Antimicrobial Resistance and causes of Non-prudent use of Antibiotics (ARNA). Am höchsten war der Anteil der Antibiotikaeinnahmen in Eigenregie in Griechenland, Rumänien und Zypern. Hauptquellen für die Arzneimittel waren dabei Packungsreste von früheren Einnahmen sowie Apotheken, die Antibiotika als OTC abgaben. Das Internet spielte bei der Beschaffung dagegen bislang nur eine untergeordnete Rolle.

Zwar dürfen in allen EU-Ländern Antibiotika bis auf wenige Ausnahmen mittlerweile offiziell laut Gesetzgebung nicht mehr ohne ärztliche Verordnung abgegeben werden. Einige Apotheker vor allem in Südeuropa scheinen sich jedoch nicht daran zu halten. In Griechenland wurden 16 Prozent der Antibiotika ohne Rezept erworben. 65 Prozent der befragten Apotheker dort gaben an, Antibiotika gelegentlich ohne Verordnung abzugeben. 97 Prozent der Ärzte sagten, sie kennen einen Apotheker, der dazu bereit ist. In Griechenland, Zypern und Italien nennen 39 Prozent der befragten Pharmazeuten, warum sie Antibiotika rezeptfrei abgaben, Druck der Patienten als Grund für ihr Verhalten. 29 Prozent fürchten, die Patienten gehen sonst zu einer anderen Apotheke. Auch unzureichende Kenntnisse und fehlendes Bewusstsein macht der Report für das Verhalten der Apotheker verantwortlich. Während das Abgeben ohne Rezept in einigen Ländern wie Portugal, Bulgarien und Rumänien gängige Praxis zu sein scheint, finden sich im Bericht keine Angaben für Deutschland.

Auf Patientenebene kommt es häufig aus Unwissenheit zu einem unbedachten Antibiotikagebrauch. Die wertvollen Arzneistoffe werden zum Beispiel bei Influenza und Kopfschmerzen nicht indikationsgerecht eingesetzt. Wer vorher schon einmal erfolgreich mit Antibiotika behandelt wurde, tendierte eher zu einer Therapie in Eigenregie.

Aber auch das Gesundheitssystem mit zu großen Packungsgrößen trägt zum unsachgemäßen Antibiotikagebrauch bei, so ein weiteres Ergebnis der Analyse. Empfehlenswert wäre die genaue Dispensierung der benötigten Tablettenanzahl. (dh)

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24.07.2017 l PZ

Foto: ARNA-Report