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Zahnersatz: Keine Angst vor Metallen im Mund

 

Unverträglichkeiten gegen Metalle im Zahnersatz sind oft keine: Die meisten Menschen, die glauben, auf Metallteile im Mund allergisch zu reagieren, haben de facto keine Allergie gegen die Materialien. «Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Risiken, die von Metallen im Mund ausgehen, gering», sagte Professor Dr. Michael Walter von der TU Dresden bei einer Informationsveranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Berlin. «Hier widersprechen unsere Erkenntnisse eindeutig einer weit verbreiteten Wahrnehmung.»

 

Metalle werden in der Zahnheilkunde etwa in Kronen und Brücken sowie in Implantaten verwendet. Menschen mit vermuteter Metallunverträglichkeit klagen häufig über unspezifische Symptome wie allgemeine Schwäche, Energielosigkeit oder Mundtrockenheit, aber auch erhöhter Speichelfluss oder brennende Schmerzen in der Mundhöhle. «Diese erleben die Betroffenen teils als dramatisch», berichtete Privatdozentin Dr. Anne Wolowski von der Universität Münster. Nicht selten handele es sich dabei um somatoforme Störungen, also Beschwerden, die nicht hinreichend durch körperliche Befunde erklärt werden können.

 

Kontaktallergien auf Dentalmetalle seien zwar grundsätzlich möglich, aber seltener als an der Haut. Denn einerseits reduziert der Speichel die Kontaktzeit des Allergens. Andererseits herrschen in der Mundschleimhaut andere Immunzellen vor als in der Haut, sodass Kontaktallergene, die an der Haut eine Reaktion auslösen, im Mund unter Umständen vertragen werden. Am Beispiel Nickel habe das Ende vergangenen Jahres eine Bonner Arbeitsgruppe um Privatdozentin Dr. Lina Gölz gezeigt («The Journal of Allergy and Clinical Immunology»). Die Autoren bezeichneten Nickel-haltige Zahnspangen sogar als mögliche Form der Desensibilisierung. So weit wollte Wolowski aber nicht gehen.

 

Eine Kontaktallergie ist eine allergische Reaktion vom Typ IV, bei der es nach einem Erstkontakt mit dem Allergen zu einer Sensibilisierung kommt, die vom Betroffenen noch nicht bemerkt wird. Erst bei wiederholter Exposition treten die typischen Symptome auf: eine Rötung und/oder Schwellung der Kontaktbereiche oder – im Mund – auch weißliche, netzartige Schleimhautzeichnungen, sogenannte lichenoide Veränderungen der Wange und der Zunge. Es handelt sich um eine allergische Spätreaktion, die sich erst nach etwa 24 bis 72 Stunden zeigt. Bei Verdacht auf eine Allergie sollte der Patient sich einem Patch-Test mit der Testreihe „Dentalmetalle“ unterziehen, so Wolowski. Dabei werden die Allergene wegen der dort stärkeren Reaktion auf der Rückenhaut und nicht auf der Mundschleimhaut aufgetragen. Wegen der Gefahr einer Sensibilisierung durch den Test selbst, solle nicht «prophetisch», sondern nur bei eindeutigen Hinweisen auf eine Kontaktallergie getestet werden.

 

Zur tatsächlichen Häufigkeit von Metallallergien zitierte Wolowski eine Studie von Zahnärzten der Universität Regensburg («Clinical Oral Investigations» 2001). Diese hatten über drei Jahre alle Patienten Ostbayerns, die nach der Versorgung mit metallhaltigem Zahnersatz über eine Unverträglichkeit klagten, eingehend untersucht. Insgesamt machten Patienten mit vermuteter Metallunverträglichkeit 0,01 Prozent der Bevölkerung aus. Lediglich bei 10 Prozent von ihnen konnte tatsächlich eine Allergie nachgewiesen werden, die zu den Beschwerden geführt hatte. (am)

  

DOI: 10.1016/j.jaci.2016.03.036 (Nickel-Studie im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“)

DOI: 10.1007/s007840100127 (Allergiehäufigkeit in „Clinical Oral Investigations”)

 

11.05.2017 l PZ

Foto: Fotolia/psdesign1