Feste Arzneiformen: Wann und womit schlucken? |

«Wie haben Sie Ihr Arzneimittel angewendet?» Dies sollten Apotheker immer fragen, wenn Patienten über Probleme mit ihrer Medikation berichten, empfahl Dr. Hiltrud von der Gathen, Recklinghausen, beim Pharmacon Meran. Denn in Mund und Speiseröhre sowie im Magen, Darm und bei der Ausscheidung lauern Störfaktoren, die den Therapieerfolg und die Compliance schwächen können.
Sollen Arzneimittel im Mund wirken oder resorbiert werden, ist nach der Anwendung eine 30-minütige Ess- und Trinkpause angezeigt. Medikamente zur lingualen Anwendung kann der Patient ohne Wasser einnehmen, muss aber schlucken können, betonte die Apothekerin. Eine sublinguale Anwendung sei auch bei Schluckstörungen möglich.
In der Apotheke solle man dem Patienten erklären, dass er seine Medikamente – auch mehrere zur gleichen Zeit – mit mindestens 250 ml Wasser einnehmen soll, sagte von der Gathen. Bei Arzneistoffen, die die Schleimhaut der Speiseröhre reizen, wie Eisen, Kalium, Tetracycline oder Bisphosphonate, muss der erste Schluck groß sein, damit die Arzneiform gut herunterrutscht. Die Einnahme mit Milch wird wegen deren Calciumgehalt generell kritisch gesehen. Die Referentin wies auf zwei Ausnahmen hin: Mefloquin und Griseofulvin. Dagegen eignen sich Fruchtsäfte für Eisenpräparate, die bei Nüchterneinnahme am besten resorbiert werden, aber schlecht magenverträglich sind. Bleibt die L-Dopa-Wirkung aus, sollte das Apothekenteam abklären, ob der Patient dieses nüchtern nimmt.
Ein generelles Verbot von Alkohol ist oftmals realitätsfern. In der Apotheke sollte man jedoch auf mögliche Wechselwirkungen achten, erklärte von der Gathen. So kann Alkohol gastrointestinale Nebenwirkungen und die Hepatotoxizität von Arzneimitteln wie Methotrexat (MTX), Isoniazid und Paracetamol verstärken und ist dann tabu. Mit Metronidazol, Triazol-Antimykotika und Griseofulvin kann Übelkeit auftreten (Disulfiram-Effekt). Da Alkohol die Magenschleimhaut schädigt, ist Vorsicht geboten bei Einnahme von MTX und nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR). Wegen der Gluconeogenese-Hemmung sollten Menschen mit Diabetes auf Hypoglykämien achten.
Laut von der Gathen müsse man dem Patienten auch erklären, wenn feste Arzneiformen nicht geschluckt werden sollen, zum Beispiel Vaginaltabletten oder Tabletten zur Desinfektion. (bmg)
24.05.2017 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller