Fehlzeiten: TK will gutes Arbeitsklima statt Prämien |

Statt sich über kranke Mitarbeiter zu ärgern, sollten Arbeitgeber lieber versuchen, die Gesundheit der Kollegen zu fördern. Das fordert die Techniker Krankenkasse (TK) in einer Pressemitteilung. Hintergrund sind Berichte über Gesundheitsprämien beim Versandhändler Amazon. Demnach will der Konzern seinen Angestellten künftig Geld zahlen, wenn sie nicht wegen Krankheit fehlen. Auch sollen alle Mitarbeiter einer Abteilung mehr bekommen, wenn es dort möglichst wenige Fehlzeiten gibt.
Die TK lehnt solche Anwesenheitsprämien ab. Sie führten dazu, dass Beschäftigte krank zur Arbeit kommen, dort auf Sparflamme arbeiteten und die Kollegen ansteckten, sagte Sabine Voermans, die das Gesundheitsmanagements der TK leitet. Letztendlich sinke die Qualität der Arbeit und es passierten mehr Fehler und Unfälle. Außerdem würden Angestellte mit langfristigen oder chronischen Erkrankungen diskriminiert.
Ohnehin wirkten Prämienzahlungen nur kurzfristig, erklärte Voermans. Viel sinnvoller sei es, wenn Arbeitgeber langfristig dächten und die Arbeitsbedingungen so veränderten, dass es den gesundheitlichen Ressourcen der Angestellten zugutekommt. Mit einem Rückenkurs oder gesundem Kantinenessen sei es nicht getan, so Voermans. Weit wichtiger sei, dass Angestellte sich wertgeschätzt fühlten, sinnvolle Arbeitsinhalte bekämen und Beruf und Familie gut vereinbaren könnten. «Das Engagement der Beschäftigten erhalten und innere Kündigung verhindern ist die beste Grundlage für ein gesundes Arbeitsumfeld», so die TK-Expertin.
Voermans betonte auch, dass in Deutschland jeden Tag immerhin 96 Prozent der Beschäftigten bei der Arbeit seien. 50 Prozent aller Erwerbstätigen hätten 2016 keinen einzigen Tag wegen Krankheit gefehlt. Dies sollten Chefs viel mehr zu schätzen wissen. «Viele Führungskräfte fokussieren auf die fehlenden Mitarbeiter und vernachlässigen diejenigen, die jeden Tag erscheinen, motiviert sind und einen guten Job machen», sagte sie. (ap)
18.04.2017 l PZ
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