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E-Zigaretten: Weniger Schadstoffe, gleich viel Nicotin

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Steigen Raucher auf E-Zigaretten um, verringert sich die Konzentration krebserregender und gesundheitsschädlicher Stoffe in ihrem Speichel und in ihrem Urin, der Nicotin-Gehalt bleibt aber gleich. Derselbe Effekt lässt sich mit Nicotin-Kaugummis und -Pflastern erzielen – unter einer Bedingung: Die ehemaligen Raucher müssen dem Glimmstängel komplett entsagen. Greifen sie weiterhin noch ab und zu zur Zigarette, gehen die Vorteile bezüglich der Schadstoff-Belastung verloren. Das berichten Forscher um Dr. Lion Shahab vom University College in London aktuell im Fachjournal «Annals of Internal Medicine».

 

Die Wissenschaftler hatten für ihre Studie jeweils 36 bis 37 Personen mit folgenden Charakteristika rekrutiert: Raucher von mindestens fünf Zigaretten pro Tag, Ex-Raucher, die komplett auf E-Zigaretten umgestiegen waren, Ex-Raucher, die komplett auf eine Nicotin-Ersatztherapie (NRT) umgestiegen waren, Raucher, die E-Zigaretten und normale Zigaretten parallel benutzten und Raucher, die NRT und Zigaretten parallel benutzten. Die Probanden mussten das jeweilige Konsummuster bereits seit mindestens sechs Monaten beibehalten haben. In Speichel- und Urinproben der Teilnehmer bestimmten die Forscher die Konzentrationen von Nicotin sowie Tabak-spezifischen N-Nitrosaminen (TSNA) und flüchtigen organischen Verbindungen (VOC), von denen viele bekanntermaßen das Risiko für Krebs, Herz-Kreislauf- und Lungenkrankheiten erhöhen.

 

Der Nicotin-Gehalt der Proben war in allen Gruppen ähnlich. Dagegen lagen die Level der gesundheitsschädlichen TSNA und VOC bei Personen, die auch oder ausschließlich Zigaretten rauchten, deutlich höher als bei denjenigen, die brennbaren Zigaretten entsagten. Für die NRT bestätigte dieses Ergebnis lediglich das früherer Untersuchungen. Dass E-Zigaretten hinsichtlich der Belastung mit TSNA und VOC aber genauso gut abschnitten wie die NRT, war eine neue Erkenntnis. Bei früheren Untersuchungen, in denen nicht Menschen, sondern Maschinen an E-Zigaretten gezogen hatten, waren in dem Dampf zum Teil erhöhte Aldehyd-Spiegel gefunden worden. Solche unter Laborbedingungen gewonnenen Werte entsprechen somit nicht immer denen, die bei der Inhalation tatsächlich freigesetzt werden, so die Autoren.

 

Sie betonen zudem, dass die Toxinbelastung durch NRT und E-Zigaretten zwar niedriger war als durch normale Zigaretten, aber nicht gleich Null. Ein gänzlicher Verzicht auf alle Nicotin-Produkte sei daher gesundheitlich das Optimum. Ob dieser mit E-Zigaretten leichter zu erreichen ist als mit herkömmlichen Programmen zur Raucherentwöhnung, ist eine kontrovers diskutierte Frage, die diese Studie nicht beantwortet. (am)

 

DOI: 10.7326/M16-1107

 

08.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/leszekglasner