Venetoclax: Neues Leukämie-Mittel zugelassen |

Die EU-Kommission hat ein neues Medikament zur Behandlung der langsam fortschreitenden Blutkrebsart chronische lymphatische Leukämie (CLL) zugelassen. Venetoclax (Venclyxto®) kann als Monotherapie bei erwachsenen CLL-Patienten mit einer 17p-Deletion oder TP53-Mutation eingesetzt werden, wenn die Patienten für eine Behandlung mit einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs nicht geeignet sind oder ein Therapieversagen unter einem solchen Inhibitor gezeigt haben. Außerdem können auch CLL-Patienten ohne 17p-Deletion oder TP53-Mutation mit Venetoclax behandelt werden, wenn Therapieversuche mit sowohl einer Chemo-Immuntherapie als auch einem Hemmstoff des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs fehlgeschlagen sind. Auch gegen andere Blutkrebsarten testen die Hersteller Abbvie und Genentech den Wirkstoff derzeit in klinischen Studien.
Venetoclax ist erster Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse, die selektiv die Funktion des BCL-2-Proteins hemmt. BCL steht für B-Cell Lymphoma. BCL-2 verhindert den programmierten Zelltod (Apoptose) in einigen Zelltypen, auch bei CLL-Zellen. Der Wirkstoff ist oral verfügbar, muss nur einmal täglich eingenommen werden und kommt in Tablettenform auf den Markt. Er ist als Orphan Drug zugelassen.
In einer Phase-II-Studie mit 107 Patienten mit 17p-Deletion, die bereits eine Vorbehandlung erfahren hatten, lag die Ansprechrate auf Venetoclax bei 79 Prozent. Bei einer 17p-Deletion fehlt ein Teil von Chromosom 17, was bei drei von zehn unbehandelten CLL-Patienten der Fall ist. Bei rezidivierender CLL tritt die genetische Veränderung bei 30 bis 50 Prozent der Patienten auf. Eine TP53-Mutation liegt bei 8 bis 15 Prozent der unbehandelten CLL-Patienten vor. Bei Rezidiven steigt der Anteil auf 35 bis 50 Prozent. Beide genetischen Veränderungen gehen mit einer schlechten Prognose und einer durchschnittlichen Lebenserwartung von weniger als zwei bis drei Jahren bei Standardbehandlung einher. (dh)
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12.12.2016 l PZ
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