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Antidiabetikum: Wirkverlängerung ohne Immunreaktion

Wissenschaftlern ist es gelungen, die Wirkdauer des bei Typ-2-Diabetes eingesetzten Inkretinmimetikums Exendin-4 durch Pegylierung deutlich zu verlängern, ohne dass vorhandene, gegen Polyethylenglykol (PEG) gerichtete Antikörper den modifizierten Arzneistoff deaktivieren. Das berichtet ein Team von der Duke-University in North Carolina im Fachjournal «Nature Biomedical Engineering». Schon seit Langem kann die Wirkung therapeutisch angewandter Peptide und Proteine im Körper verlängert werden, indem man sie pegyliert. Dabei wird PEG an das Molekül gekoppelt. Das verlängert zwar den Abbau des Arzneistoffs, die langen PEG-Ketten bieten dem Immunsystem jedoch eine Angriffsfläche. Bei chronischer Exposition von PEG, das auch in vielen Alltagsprodukten wie Shampoos eingesetzt wird, bildet das Immunsystem Antikörper dagegen. Das schwächt die Wirkung PEG-modifizierter Arzneistoffe ab und erhöht das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen, schreiben die Forscher.

 

Das Team um Yizhi Qi koppelte nun kurze Ketten Ethylenglykol, sogenanntes Poly(Oligoethylenglykol Methylether-Methacrylat) oder auch POEGMA, an Exendin-4 und verlieh damit dem Arzneistoff molekular das Aussehen einer stabförmigen Bürste. Im Mausmodell reagierten menschliche Antikörpern gegen PEG nicht auf diesen Arzneistoff. Die Zirkulationszeit im Blut stieg bei den Versuchstieren an. Die Blutglucose-Werte der Mäuse hielten sich nach einer einzigen Injektion des modifizierten Arzneistoffs bis zu fünf Tage im Normalbereich im Vergleich zu nur sechs Stunden mit klassischem Exendin-4. Die Autoren hoffen, mit dieser Form der Wirkstoffmodifikation zu einer neuen Generation sichererer und effektiverer Medikamente beizutragen. (dh)

 

DOI: 10.1038/s41551-016-0002

 

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28.11.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Poprocki