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Bluttest auf Darmkrebs erhält US-Zulassung

Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat einen Bluttest zur Früherkennung von Darmkrebs zugelassen. Epi proColon® soll für Menschen mit durchschnittlichem Erkrankungsrisiko, die die Darmspiegelung oder andere etablierte Früherkennungsverfahren scheuen, eine Alternative bieten. Der Test besteht im Nachweis eines tumorspezifischen Methylierungsmusters in zellfreier DNA im Blut. Außer in den USA vermarktet das deutsch-amerikanische Diagnostikunternehmen Epigenomics den Test auch in Europa und in China.

 

Epi proColon ist ein PCR-basierter Test zum qualitativen Nachweis von methylierten Septin9-Genen in DNA. In Darmkrebszellen, nicht jedoch in gesunden Zellen der Darmschleimhaut, sind die Cytosinreste einer bestimmten Region des Septin9-Gens methyliert. Laut Herstellerangaben hat der Test eine Sensitivität von 81 Prozent über alle Krebsstadien, das heißt, er zeigt in 81 Prozent der Fälle, in denen tatsächlich eine Krebserkrankung vorliegt, diese korrekt an. Die Spezifität liegt bei 99 Prozent; von 100 gesunden Personen erhält also nur eine fälschlicherweise die Diagnose Darmkerbs. Damit sei Epi proColon vergleichbar mit immunologischen Stuhltests und besser als der Test auf okkultes Blut im Stuhl (Sensitivität 40 Prozent, Spezifität 97,7 Prozent).

 

Methode der Wahl zur Darmkrebs-Früherkennung ist und bleibt jedoch die Koloskopie. Sie hat mit 97 Prozent Sensitivität und 98 Prozent Spezifität eine sehr hohe Genauigkeit. Zudem ist ihr großer Vorteil, dass der Arzt Krebsvorstufen, die er bei der Untersuchung entdeckt, gleich beseitigen kann, ohne dass ein weiterer Eingriff erforderlich wird. Auch können die nicht invasiven Tests, zu denen der jetzt zugelassene Bluttest gehört, dem Untersuchten die Koloskopie nicht in jedem Fall ersparen, denn ein positives oder nicht eindeutiges Ergebnis muss koloskopisch überprüft werden.

 

Auch die finanzielle Seite spricht für die Koloskopie, denn sie ist für gesetzlich Krankenversicherte ohne erhöhtes Krebsrisiko ab 55 Jahren kostenlos, der Epi proColon kostet dagegen 99 bis 161 Euro, die nicht erstattet werden. Viele Menschen empfinden die Früherkennungsuntersuchung allerdings als unangenehm oder peinlich und nehmen sie deshalb nicht in Anspruch. (am)

 

14.04.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Kaulitzki