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Pankreaskrebs: Evofosfamid enttäuscht in Phase III

 

Das Darmstädter Pharmaunternehmen Merck hat bei der klinischen Erprobung seines Arzneimittel-Kandidaten Evofosfamid einen Rückschlag erlitten. Der auch als TH-302 bekannte Wirkstoff verfehlte in den Indikationen Bauchspeicheldrüsen- und Weichteilkrebs in den jeweiligen Phase-III-Studien die primären Endpunkte. Merck wird daher in beiden Krebsarten keinen Zulassungsantrag einreichen, informiert das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

 

Dabei standen die Zeichen zunächst auf Erfolg. Erst Mitte des Jahres hatte die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA Evofosfamid in Kombination mit Gemcitabin den Fast-Track-Status erteilt. Das Therapieregime sollte zur Behandlung von vorbehandelten Patienten mit lokal fortgeschrittenem inoperablem oder metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs zum Einsatz kommen. Als eine weitere Indikation war der Einsatz von Evofosfamid in Kombination mit Doxorubicin für die Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenen oder metastasierenden Weichteil-Sarkomen angedacht. Hier hatte die FDA den Fast-Track-Status bereits Ende 2014 erteilt. Doch in den aktuellen Phase-III-Studien enttäuschte Evofosfamid. Die Ergebnisse werden laut Merck nun tiefergehend analysiert und zu einem späteren Zeitpunkt vorgestellt.

 

Evofosfamid ist ein Hypoxie-aktiviertes Prodrug, das bei stark ausgeprägtem Sauerstoffmangel des Tumors aktiviert werden soll. Gewebebereiche mit niedriger Sauerstoffkonzentration (Hypoxie) kommen bei soliden Tumoren aufgrund unzureichenden Wachstums von Blutgefäßen vor. So auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, der die siebthäufigste krebsbedingte Todesursache ist. Etwa 93 bis 95 Prozent der Patienten sterben infolge ihrer Erkrankung innerhalb von fünf Jahren. Der einzige kurative Ansatz ist die operative Entfernung des Tumors. Allerdings ist die Erkrankung bei 80 bis 85 Prozent der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits im fortgeschrittenen inoperablen Stadium. Diese große Patientengruppe ohne chirurgische Option bedarf dringend innovativer Arzneistoffe, die die Überlebenszeit verlängern und die Symptome lindern. (kg)

 

07.12.2015 l PZ

Foto: Fotolia/lom123