Lungenkrebs: Auf EGFR-Mutationen testen |

Patienten mit einem nicht kleinzelligen Adenokarzinom der Lunge (NSCLC) sollten auf Mutationen des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors (EGFR) getestet werden. In Europa hätten knapp 10 Prozent der Patienten Tumoren mit aktivierender EGFR-Mutation, vor allem Del19- und L858R-Mutationen, berichtete Professor Dr. Wolfram Brugger vom Schwarzwald-Baar-Klinikum, Villingen-Schwenningen, vor Medizinjournalisten in München.
Solche Mutationen finde man vor allem bei Frauen, Nie-Rauchern oder Asiaten, die an NSCLC erkranken, sagte der Onkologe bei dem von Boehringer Ingelheim unterstützten Gespräch. Diese Patienten könnten eine zielgerichtete Therapie mit einem Tyrosinkinase-Hemmer wie Gefitinib, Erlotinib oder Afatinib bekommen. Allerdings werde etwa ein Viertel der Lungenkrebs-Patienten in Deutschland gar nicht getestet.
In Studien hätten Patienten mit häufigen EGFR-Mutationen unter 40 mg Afatinib einmal täglich ein deutlich längeres progressionsfreies Überleben erreicht als Patienten, die eine Chemotherapie mit Cisplatin plus Pemetrexed oder Gemcitabin erhalten hatten, berichtete Brugger. «Patienten mit der Del19-Mutation haben den größten Nutzen von Afatinib.» Dies zeige sich auch beim Gesamtüberleben. Für Patienten, in deren Tumorzellen seltenere Mutationen nachgewiesen wurden, gebe es keinen Vorteil beim Gesamtüberleben.
Typische Nebenwirkungen der Therapie sind Diarrhö, Stomatitis, akneartige Hautausschläge oder Nagelbettveränderungen. Hier müsse man frühzeitig intervenieren und gegebenenfalls die Dosis reduzieren oder mit der Therapie pausieren, sagte der Arzt. Die unerwünschten Effekte könnten auch Monate nach Therapiebeginn auftreten. Brugger wies klar daraufhin, dass die Therapie mit TKI nicht kurativ ist. Bilden sich neue Mutationen, können die Tumorzellen im Lauf der Zeit resistent werden. (bmg)
Lesen Sie dazu auch
Wirkstoffprofil Afatinib (Giotrif® / 2013), Gefitinib (Iressa® / 2009), Erlotinib (Tarceva® / 2005) in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe
14.10.2015 l PZ
Foto: Fotolia/pabijan