Allergien: Pollenbelastung verstärkt Neurodermitis |

Der Gräserpollenflug verschlechtert bei Neurodermitikern das Krankheitsbild deutlich. Dies wurde seit Langem diskutiert, jetzt ist es auch wissenschaftlich bewiesen. Forscher um Professor Dr. Thomas Werfel vom Fraunhofer- Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM und der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) stellten jetzt ihre Ergebnisse im »Journal of Allergy and Clinical Immunology« vor. Das Team hatte freiwillige Probanden mit Neurodermitis in den Fraunhofer-Pollenprovokationsraum gesetzt, in dem diese entweder Gräserpollen oder unbelasteter Luft ausgesetzt waren, und beobachtet, wie die Haut der Probanden reagierte. Den Schweregrad der atopischen Dermatitis bewerteten die Forscher mithilfe des Scores SCORAD.
Die Pollenprovokation verschlechterte das Hautbild der Neurodermitis-Patienten innerhalb von Stunden signifikant, berichten die Forscher in einer Pressemitteilung des Instituts. Dabei war unbedeckte Haut deutlich stärker betroffen als bedeckte. In den Laboren der MHH wurde außerdem gezeigt, dass im Blut dieser Patienten einige Marker für allergische Entzündungen anstiegen. Ob die Pollenprovokation für die Entwicklung von neuartigen Wirkstoffen für Immuntherapien für Neurodermitiker infrage kommt, wird das Team nun weiter untersuchen.
Es arbeitet derzeit an DNAzymen – synthetischen DNA-Molekülen mit Enzymaktivität. Der bislang einzige Wirkstoff dieser Klasse ist »SB010«, der den Transkriptionsfaktor GATA-3 hemmt. GATA-3 ist für Entzündungsreaktionen und damit einhergehende Symptome verantwortlich. Er wurde zur Behandlung des allergischen Asthmas entwickelt und hat in dieser Indikation eine Proof-of-concept-Studie erfolgreich durchlaufen. Das Team um Werfel will nun testen, ob die Substanz auch bei Neurodermitis-Patienten einsetzbar ist. (ch)
DOI: 10.1016/j.jaci.2015.04.015
DOI: 10.1056/NEJMoa1411776 (Proof-of-concept-Studie)
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17.06.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Gina Sanders