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Psoriasis: Neuer Antikörper als Erstlinientherapie ab Juni

 

Zum 1. Juni kommt ein Biological mit neuem Wirkmechanismus für erwachsene Patienten mit Plaque-Psoriasis auf den Markt. Secukinumab (Cosentyx® von Novartis) ist ein vollständig humaner monoklonaler IgG1/k-Antikörper. Er richtet sich gegen das proinflammatorische Interleukin-17A (IL-17A), dass bei der Aufrechterhaltung der Immunreaktion bei Schuppenflechte eine Schlüsselrolle spielt, erläuterte der Dermatologe Professor Dr. Diamant Thaçi vom Uniklinikum Schleswig-Holstein heute bei der Einführungs-Pressekonferenz in Hamburg. IL-17A findet sich in hohen Konzentrationen in den von Psoriasis betroffenen Hautarealen.

Das Besondere ist Thaçi zufolge, dass die Europäische Arzneimittelagentur EMA den Antikörper aufgrund seiner sehr guten Wirksamkeit und Sicherheit als erstes Biological zur Erstlinientherapie für Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis zugelassen habe. Unabhängig von der Vorbehandlung könnten Patienten demnach ab Montag mit dem neuen Präparat neu eingestellt oder bei unzureichendem Ansprechen auf bisherige Therapieversuche auf Secukinumab umgestellt werden.

Grundlage für die Zulassung war ein umfangreiches Studienprogramm mit mehr als 3400 Patienten, die Secukinumab erhielten, plus Placebo- und Vergleichsgruppen. So ergab die FIXTURE-Studie, dass 54 Prozent der Probanden unter Behandlung mit 300 mg Secukinumab und 42 Prozent der Probanden mit der 150-mg-Dosis schon nach zwölf Wochen kaum noch Symptome zeigten (PASI 90) gegenüber 21 Prozent unter dem TNF-α-Blocker Etanercept (Enbrel®). Nach einem Jahr erreichten 65 Prozent (300 mg) beziehungsweise 45 Prozent (150 mg) unter Secukinumab diesen Wert gegenüber 33 Prozent unter Etanercept. Mehr als dreimal so viele (300 mg Secukinumab) beziehungsweise doppelt so viele Patienten (150 mg Secukinumab) galten nach einem Jahr sogar als komplett symptomfrei (PASI 100) gegenüber der etablierten Etanercept-Behandlung, bei der nur 10 Prozent der Patienten dieses Ziel erreichen. Dies sei bis vor wenigen Jahren nicht vorstellbar gewesen, betonte Thaçi. Auch dem bisher wirksamsten Biological, dem IL-12- und IL-23-Antikörper Ustekinumab (Stelara®), habe sich Secukinumab in der CLEAR-Studie als überlegen erwiesen.

Dabei war das Sicherheitsprofil vergleichbar gut, erläuterte Professor Dr. Matthias Augustin, Direktor des Instituts für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Secukinumab schwächt wunschgemäß das Immunsystem. Die häufigsten Nebenwirkungen waren banale Infektionen der oberen Atemwege wie Nasopharyngitis oder Sinusitis. Fast jeder zweite Patient erlitt im Laufe eines Behandlungsjahres einen Infekt. Schwerwiegende Infekte traten aber nur bei 1,2 Prozent der Probanden auf. Gelegentlich traten Neutropenien auf, allerdings keine schwerwiegenden. Augustin, der das deutsche Psoriasis-Register mitbetreut, das Berichte unerwünschter Nebenwirkungen aus der klinischen Anwendung sammelt, sprach von einer «überzeugenden Sicherheitsbilanz».

Die Jahrestherapiekosten werden unter der Erhaltungstherapie bei rund 20.000 Euro liegen und damit vergleichbar mit denen bereits etablierter Biologika sein, sagte ein Novartis-Sprecher auf Nachfrage gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Die Firma bringt den Antikörper als Injektionslösung in einem Fertigpen und als Fertigspritze auf den Markt, allerdings nur in der 150-mg-Dosis. Empfohlen werden 300 mg Secukinumab jeweils wöchentlich in den ersten vier Wochen der Therapie und anschließend Injektionen im Abstand von vier Wochen. Der Patient kann die Lösung nach entsprechender Schulung selbst subkutan injizieren, bevorzugt bei jeder Applikation jeweils 150 mg in den rechten und linken Oberschenkel. Die Applikationsstelle sollte frei von Läsionen sein. Hersteller Novartis will Schulungsmaterial für die Patienten zur Verfügung stellen. Die Apotheken sollen separate Informationen zur Handhabung des kühl zu lagernden Medikaments erhalten. (dh)

 

27.05.2015 l PZ

Foto: Fotolia/frizza