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Ivermectin: Ein Insektizid gegen Rosacea

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Für Menschen, die unter der Hautkrankheit Rosacea leiden, gibt es bald eine neue Therapieoption. Galderma hat vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Zulassung für Soolantra® zur einmal täglichen topischen Behandlung von entzündlichen Läsionen bei der Rosacea papulopustulosa erwachsener Patienten erhalten. Die Ivermectin-haltige Creme (10 mg/g) ist ab Ende Mai 2015 auf dem deutschen Markt verfügbar, so Galderma in einer Pressemitteilung.

 

Die Zulassung des Arzneimittels basiert auf den Daten von drei Phase-III-Studien mit insgesamt 2.300 Patienten. Die Ivermectin-haltige Creme zeigte in zwei zwölfwöchigen Studien bereits ab Woche 4 eine überlegene Wirksamkeit gegenüber einer Wirkstoff-freien Creme. Nach zwölf Wochen lag die Erfolgsrate in der ersten Studie bei 38,4 Prozent versus 11,6 Prozent und in der zweiten Studie bei 40,1 Prozent versus 18,8 Prozent. Eine Studie über 16 Wochen zeigte zudem die überlegene Wirksamkeit von einmal täglich verabreichter Soolantra-Creme gegenüber 0,75-prozentiger Metronidazol-Creme, die zweimal täglich aufgetragen wurde. In Woche 16 war unter Soolantra die Zahl der entzündlichen Läsionen um 83 Prozent gegenüber dem Ausgangswert reduziert, in der Metronidazolgruppe nur um 73,7 Prozent. Die am häufigsten berichteten leicht bis mäßig ausgeprägten Nebenwirkungen waren brennendes Gefühl auf der Haut, Hautreizung, Pruritus und trockene Haut.

 

Die Creme kann bis zu einer Dauer von vier Monaten auf die betroffenen Stellen im Gesicht aufgetragen werden. Falls es nach drei Monaten zu keiner Besserung kommt, sollte die Therapie abgebrochen werden. Vorsicht ist angezeigt, wenn Ivermectin gleichzeitig mit potenten CYP3A4-Inhibitoren wie Azol-Antimykotika oder HIV-Proteasehemmern angewendet wird. In vitro zeigte sich nämlich, dass Ivermectin über CYP3A4 metabolisiert wird. Demzufolge könnte sich sein Plasmaspiegel signifikant erhöhen.

 

Der Wirkmechanismus von Ivermectin bei der Behandlung entzündlicher Läsionen der Rosacea ist noch nicht vollständig aufgeklärt. Jedoch bietet der Arzneistoff einen dualen, nämlich einen antientzündlichen und antiparasitären Wirkansatz bei Rosacea. Letzterer dürfte mit der Abtötung von Demodex-Milben in Zusammenhang stehen, die bei der Entzündung der Haut eine Rolle spielen sollen.

 

Die Ursache der Rosacea ist noch nicht geklärt. Die chronische Hauterkrankung, die sich hauptsächlich in der Gesichtsmitte auf Nase, Stirn, Kinn und Wangen manifestiert, verläuft in Schüben mit unterschiedlicher Krankheitsausprägung wie flüchtige, anfallartig auftretende Erytheme sowie Teleangiektasien und entzündlich gerötete Papeln und Pusteln. Bekannte Triggerfaktoren, die das Krankheitsbild verschlechtern, sind zum Beispiel scharfe Speisen, Alkohol, psychischer Stress, UV-Strahlung, heiße Getränke oder heiße Duschen beziehungsweise Bäder. (rt)

 

12.05.2015 l PZ

Foto: Fotolia/JenkoAtaman