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Krebstherapie: Neuer Wirkstoff schützt vor Herzschäden

 

Italienische Forscher haben einen neuen Wirkstoff entdeckt, der das Herz vor Schäden durch Brustkrebsmedikamente schützt und zudem das Tumorwachstum hemmt. Zwar überleben inzwischen mehr Menschen ihre Krebserkrankung, dennoch versterben schätzungsweise von ihnen bis zu 32 Prozent an Herzerkrankungen infolge der Krebstherapie, heißt es in einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology. Insbesondere Anthrazykline und Trastuzumab, die häufig bei Brustkrebs eingesetzt werden, wirken demnach kardiotoxisch.

Bereits aus früherer Forschung wussten Dr. Alessandra Ghigo und ihr Team von der Universität Turin, dass das Enzym Phosphoinositid-3-Kinase gamma (PI3Kγ) an der Regulation der Herzfunktion beteiligt ist. Die Wissenschaftler arbeiteten nun mit verschiedenen Mausmodellen. Zunächst zeigten sie, dass Mäuse mit einer genetisch stillgelegten PI3Kγ häufiger eine Behandlung mit dem Anthrazyklin Doxorubicin überlebten als normale Mäuse, die meist eine schwere Herzinsuffizienz entwickelten.

Als nächstes gaben sie normalen Mäusen zusätzlich zum Doxorubicin einen PI3Kγ-Inhibitor. Alle Tiere waren so vor der Kardiotoxizität geschützt. Das funktionierte auch bei Mäusen mit Brustkrebs, ohne die zytotoxische Wirkung des Anthrazyklins einzuschränken. Im Gegenteil – der PI3Kγ-Hemmer wirkte synergistisch mit Doxorubicin und verlangsamte das Tumorwachstum. Nach Angaben von Ghigo stoppt die Substanz Entzündungsprozesse im Tumor und tötet ihn. Die Wissenschaftlerin hofft nun, dass mithilfe von PI3Kγ-Inhibitoren Krebstherapien vielfältiger und sicherer angewendet werden können, da Therapieregime nicht mehr abgemildert oder abgebrochen werden müssen. Ihre Forschungsergebnisse stellte Ghigo Ende Januar bei einem Fachkongress in der Schweiz vor. (dh)

 

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10.02.2015 l PZ

Foto: Fotolia/beawolf