Dobendan: Und jährlich grüßt der Apothekentest |

Professor Dr. Gerd Glaeske hält nicht viel vom Halsschmerzmittel Dobendan. Apotheker empfehlen es dennoch ihren Patienten. Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mag sich hier nicht einmischen. Das ist die Bilanz eines Apothekentests des NDR-Magazins «Markt», der am Abend des 2. Februars ausgestrahlt wurde. Die Stichprobe mit n=10 ist bemerkenswert überschaubar. Allerdings ist auch die Tatsache bemerkenswert, dass neun der zehn von Testkäufern besuchten Apotheken auf das Symptom «Halsschmerzen» die Präparate Dobendan® Direkt (mit Flurbiprofen) oder Dolo-Dobendan® (mit Benzocain und Cetylpyridiniumchlorid) empfahlen.
In diesem Setting unvermeidlich ist natürlich ein Auftritt von Glaeske. Er kritisiert, mit Dolo-Dobendan werde ein Präparat empfohlen, das von der Stiftung Warentest als nicht geeignet eingestuft wurde. Das Medikament enthält das Lokalanästhetikum Benzocain. Dieses könne Allergien auslösen. Auch von Lemocin®, dem einzigen in dem Test abgegebenen Halsschmerzmittel außer Dobendan hält Glaeske wenig, weil es unter anderem das Antibiotikum Tyrothricin enthält, obwohl Bakterien in der Regel nicht der Auslöser von Halsschmerzen sind. Der Arzneimittelexperte empfiehlt stattdessen Hustenbonbons ohne Zucker.
Weil es sich so gehört, hat die Markt-Redaktion die ABDA als vermutete Oberaufsicht der deutschen Apotheker um Stellungnahme gebeten. Die Standesorganisation tut sich allerdings mit der ihr vom NDR zugewiesenen Aussage schwer. Die Stichprobengröße lasse keine generalisierbaren Aussagen zu, spielt sie den Spielverderber. Zudem kenne man nicht das exakte Szenario und könne deshalb auch nicht wirklich die Beratung der getesteten Apotheker bewerten. Schließlich verweist die ABDA in ihrer Stellungnahme noch auf die entsprechende Leitlinie zur Beratung von Patienten mit Halsschmerzen und die eigene Bereitschaft, Testkäufe ernst zu nehmen.
An Spekulationen, warum so viele Apotheker Dobendan abgeben und welchen Einfluss die Werbung für das Produkt auf dessen Abverkauf hat, beteiligt sich die ABDA in ihrer Stellungnahme nicht. Über die Auswahl eines Fertigarzneimittels entscheide der Apotheker im Einzelfall.
Bleibt zum Schluss die Frage nach dem Erkenntnisgewinn. Der erscheint überschaubar. Die Wettbewerber von Dobendan werden sich noch intensiver darüber Gedanken machen, wie sie dem Marktführer beikommen können. Manche Apotheker werden womöglich darüber reflektieren, ob es tatsächlich nur ein Präparat gegen Halsschmerzen geben darf und die Redaktion von Markt hat registriert und im Beitrag dargestellt, das Arzneimittel nicht in allen Apotheken denselben Preis haben. Das sollte Redakteure, die für ein Magazin mit dem Namen «Markt» arbeiten, allerdings nicht irritieren. (dr)
03.02.2015 l PZ
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