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Säuglinge: Kissen gegen Kopfverformung

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Wer sein Neugeborenes als Schutz vor dem plötzlichen Kindstod nachts auf dem Rücken schlafen lässt, riskiert Schädeldeformationen und mögliche Folgeschäden. Darauf wiesen Experten auf dem 131. Chirurgenkongress in Berlin hin. Der noch leicht verformbare Hinterkopf eines Säuglings könne durch den Druck gegen die Unterlage abflachen. Schwere Verformungen seien nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern könnten zu einer schmerzhaften Belastung der Halswirbelsäule oder des Kiefers werden.

 

Genaue Zahlen, wie viele Kinder betroffen sind, lägen nicht vor. «Ich sehe aber jede Woche drei bis vier neue Fälle in meiner Sprechstunde», sagt Professor Dr. Guido Fitze, Kinderchirurg am Universitätsklinikum Dresden, laut einer Pressemitteilung. «Das ist ein häufiges Problem.» Jedes 200. Kind könnte betroffen sein.

 

Um Verformungen zu verhindern, sollten Eltern den Kopf des Neugeborenen über Nacht auf einem Lagerungskissen legen. Dabei handelt es sich um eine Art «Lochkissen», bei dem der Hinterkopf frei in der Luft schwebt. Kostenpunkt: zwischen 30 und 50 Euro. «Mit dieser einfachen Maßnahme lässt sich eine Kopfverformung vermeiden», erklärte Professor Dr. Joachim Jähne, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). «Hilfreich ist es auch, wenn die Eltern das Kind aus verschiedenen Richtungen ansprechen, um eine bevorzugte Seitenhaltung des Kopfes zu vermeiden», so Fitze. Tagsüber liege der Nachwuchs am besten auf der Seite oder dem Bauch.

 

«Kommt es zu einer Abflachung des Hinterkopfes, sollte frühzeitig mit einer Therapie begonnen werden», betont Fitze. Leichte Deformitäten ließen sich im ersten Lebensjahr gut durch manuelle Therapien wie Osteopathie, Physiotherapie und Chiropraktik korrigieren, die mit einer Art Reflexzonentraining bestimmte Bewegungsabläufe stimulieren und Halswirbelblockaden auflösen. Liegt eine stärkere Deformität vor, helfe eine Helmtherapie. Dabei handelt es sich um eine Kopforthese, die dauerhaft getragen wird und das Wachstum des Schädels gezielt in die gewünschte Richtung lenkt.

 

Da der Schädel im ersten Jahr besonders schnell wächst, er nimmt zwölf bis dreizehn Zentimeter an Umfang zu, sollte mit der Helmtherapie um den sechsten Lebensmonat begonnen werden. «In dieser Wachstumszeit kann der Helm die Verformung am besten korrigieren», erklärt Fitze. Die Behandlung dauert in der Regel drei bis sechs Monate. «Trägt das Kind die Orthese konsequent an 23 von 24 Stunden am Tag, sind die Ergebnisse sehr gut», berichtet der Kinderchirurg. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Helm, einige zahlen anteilig. Eine Orthesen-Behandlung kostet insgesamt rund 1700 Euro.

 

Bis ins Vorschulalter besteht die Möglichkeit, dass sich Verformungen wieder auswachsen. «Schwere Verformungen, die auch die Gesichtspartie betreffen, sind nicht nur ein kosmetisches Problem», betont Fitze. Es wird angenommen, dass sie auch zu einer frühzeitigen Abnutzung der Halswirbelsäule oder einer Fehlbelastung der Kiefergelenke führen können, die häufig schmerzhaft ist. (ch)

 

19.03.2014 l PZ

Foto: Fotolia/DoraZett