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Depressionen: Nur jeder Vierte bekommt volle Therapie

Drei von vier Patienten, die an einer schweren Depression leiden, bekommen keine leitliniengerechte Therapie bestehend aus Antidepressiva und Psychotherapie. Damit werde dem Großteil der schwer Erkrankten nicht angemessen geholfen, kritisiert die Bertelsmann-Stiftung in ihrem aktuellen «Faktencheck Gesundheit». Ihren Zahlen zufolge erkrankt jeder fünfte Deutsche im Laufe seines Lebens an einer Depression. Derzeit leiden rund neun Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Bei 15 Prozent davon, also rund 1,35 Millionen Menschen, handelt es sich um schwere Fälle. Basis für die Studie waren die Daten von rund sechs Millionen Versicherten der Betriebs- und Innungskrankenkassen.

 

18 Prozent der schwer Depressiven bekommen gar keine Therapie. 56 Prozent erhalten nur Medikamente oder nur Psychotherapie. Bei den Patienten mit chronischer Depression, unabhängig vom Schweregrad, bleiben 31 Prozent völlig unbehandelt. Nur 12 Prozent, also jeder Achte, erhält eine angemessene Therapie aus Antidepressiva plus Psychotherapie.

 

Bei den älteren Patienten sieht die Versorgungslage noch düsterer aus: 40 Prozent der schwer Depressiven über 60 Jahre erhalten überhaupt keine Therapie. «Wenn behandelt wird, dann fast ausschließlich mit Medikamenten», schreibt die Bertelsmann-Stiftung. «Die Ergebnisse sind alarmierend», sagt Studienautor Professor Dr. Martin Härter vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. «Werden Depressionen nicht angemessen behandelt, können sie chronisch werden.» Noch gravierender sei die Suizidgefahr bei schweren Depressionen: Jeder siebte Betroffene nimmt sich das Leben.

 

Vor allem die Psychotherapie kommt zu kurz: Vielen Schwerkranken würden laut Studie ausschließlich Medikamente verschrieben. Insgesamt erhalten 28 Prozent aller Depressions-Patienten ein Antidepressivum über die in den Leitlinien geforderten mindestens neun Monate. Der Großteil der Erkrankten bekomme keinen Therapieplatz oder die Therapie sei zu kurz angesetzt. Die Wartezeit betrage durchschnittlich 17 Wochen. «Insbesondere schwer Erkrankte benötigen schnelle und angemessene Hilfe», fordert Dr. Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. «Dafür müssen die Therapieplätze bedarfsgerechter verteilt werden.»

 

So zeigte die Studie, dass die Versorgungslage bundesweit sehr unterschiedlich ist. Vor allem Bayern und Baden-Württemberg fielen durch hohe Diagnose-, aber niedrige Behandlungsraten auf. Doch selbst in Nordrhein-Westfalen und Hessen mit den höchsten Versorgungsquoten bekommen nur 30 beziehungsweise 29 Prozent der schwer Depressiven eine leitliniengerechte Therapie. Eine regionale Umverteilung der Therapieplätze, was sowieso schwer machbar ist, wird das Problem also nicht lösen. Vielmehr müssten mehr Netzwerke zwischen Fachkräften gebildet werden, um die Betroffenen aufzufangen. Auch die Diagnose muss verbessert werden, fordert die Stiftung. Und nicht zuletzt darf die Erkrankung in der Gesellschaft kein Tabu mehr sein.

 

Unter www.faktencheck-depression.de bietet die Bertelsmann-Stiftung Informationen rund um Depressionen, unter anderem Informationen zu Nutzen und Risiken der Therapien, Notfallnummern und Ratschläge, wie man einen Therapieplatz bekommt. Auch die gesamte Studie und weitere Daten für Fachkräfte sind dort zu finden. (db)

 

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www.faktencheck-depression.de (externer Link)

 

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19.03.2014 l PZ

Foto: Fotolia/alexsokolov