Tamiflu: Regierung weist Kritik zurück |

Die Bundesregierung hat die Kritik der Partei Die Linke an der staatlichen Einlagerung des umstrittenen Grippemittels Oseltamivir (Tamiflu®) zurückgewiesen. Die Linken hatten Anfang April in einer Kleinen Anfrage kritisiert, nationale Pandemiepläne sähen noch immer eine Vorratshaltung von Tamiflu «in millionenfachen Dosen» vor, obwohl Experten die Wirksamkeit des Medikamentes bezweifeln. Zuletzt hatte die Cochrane Collaboration eine entsprechende Untersuchung veröffentlicht.
Die Bundesregierung teilte in ihrer Antwort mit, die Studie der Cochrane Collaboration beeinflusse die «positive Nutzen/Risiko-Bewertung für Tamiflu» nicht. Dies habe das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bereits im Februar 2012 festgestellt. Insofern seien die Kriterien, die Tamiflu als Mittel der Wahl zur Pandemiebekämpfung auszeichnen, «nach wie vor unverändert». Allerdings würden sowohl der Einsatz antiviraler Mittel als auch deren Einlagerung derzeit geprüft, so die Regierung.
In den Jahren 2009 und 2010 hatten infolge der Pandemie durch den Influenza-A-Virus H1N1 (Schweinegrippe) viele Staaten massenhaft Tamiflu eingekauft. Infolge der geringen Nachfrage wurden in Deutschland jedoch zahlreiche Dosen des Grippemittels wieder vernichtet. Daneben gab es immer wieder Kritik an der Informationspolitik des Herstellers Roche: Forscher bemängelten, das Unternehmen habe nur 40 Prozent aller Studiendaten zur Wirksamkeit von Tamiflu veröffentlicht.
In ihrer Antwort gab die Bundesregierung an, das Gesundheits-, das Innen- und das Verteidigungsministerium hätten insgesamt rund 70 Millionen Euro für den Einkauf von Tamiflu aufgewendet. Die Linken-Politikerin Inge Höger forderte die Regierung nun auf, diese Summe vom Hersteller zurückzuverlangen. Es handele sich um Steuergelder, die Roche «aufgrund von verzerrten und geheim gehaltenen Studien» erlangt habe, so Höger. Als «reichlich spät» bezeichnete Höger den Plan der Regierung, den Einsatz antiviraler Arzneimittel nun zu prüfen. Roche habe bereits «zig Millionen an der fragwürdigen Pandemiepolitik der Bundesregierung verdient», so die Linken-Politikerin. Der Fall Tamiflu zeige exemplarisch, «wie medizinische Forschungsergebnisse manipuliert werden, um die Profite der Pharmaindustrie zu steigern». (ah)
Lesen Sie dazu auch
Tamiflu: Roche will Daten freigeben, PZ 10/2013
Pandemiebekämpfung: Lehren aus H1N1, Meldung vom 30.01.2013
29.04.2013 l PZ
Foto: PZ/Archiv